Aquarell Sonntag

Warum gute Aquarellpinsel für Anfänger am Sonntagmorgen den Unterschied machen

Vier von fünf Pinseln aus meinem allerersten Aquarellset sind bis heute fast unbenutzt. Der fünfte ist abgegriffen, die Borsten schon ein bisschen müde, und genau dieser eine begleitet mich durch jedes Wochenaquarell. Für uns Aquarell-Anfänger, die mit über fünfzig noch einmal malen lernen, ist das eine kleine, befreiende Erkenntnis: Man braucht viel weniger, als der Prospekt einem verspricht. Kreativ im Ruhestand zu sein heißt nicht, den Schrank vollzukaufen.

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Braucht eine Anfängerin wirklich zehn Pinsel?

Die kurze Antwort, die mir am Anfang niemand so deutlich gesagt hat: nein. Ein einziger guter Rundpinsel in Größe 8 oder 10 reicht für fast alle Anfängerübungen aus und macht die ganzen Spezialpinsel überflüssig. Er zieht einen feinen Strich, wenn du ihn aufrichtest, und füllt eine ganze Fläche, wenn du ihn flach über das Papier führst. Mehr Werkzeug bedeutet am Küchentisch nicht mehr Können, nur mehr Zeug, das im Weg liegt.

Übrig bleiben ein Fächerpinsel, ein winziger Schriftzug-Pinsel und zwei Größen dazwischen. An diesem Sonntag habe ich den billigsten davon noch einmal probiert, nach dem zweiten Strich lagen zwei Härchen quer auf dem nassen Papier. Das kleine Ärgernis hat mir den halben Himmel verzogen. Mit dem guten Rundpinsel passiert so etwas einfach nicht.

Rundpinsel für Aquarell-Anfänger verteilt blaue Farbe auf strukturiertem Papier

Ein guter Pinsel hält das Wasser dort, wo es hingehört

Aquarell ist ein Spiel mit dem Wasser, so ähnlich steht es sogar im Lexikon, wenn man Aquarell nachschlägt. Ein schlechter Pinsel ist dabei wie ein Eimer mit Loch: Er hält die Farbe nicht dort, wo du sie haben willst. Läuft nasse Farbe in nasse Farbe, entscheidet die Spitze über alles. Vor dem Malen hatte ich es übrigens mit einem Töpferkurs versucht, doch meine Hände waren mir für den Ton viel zu unruhig. Am Papier, mit dem richtigen Pinsel, sind dieselben Hände auf einmal ruhig genug.

Ein guter Pinsel muss eine feine Spitze bilden und trotzdem genug Farbe im Bauch speichern. Das richtige Material für Anfänger am Küchentisch ist oft der Unterschied zwischen „ich gebe auf" und „ich mache weiter". Auf schwererem Papier, das sich unter viel Wasser nicht gleich wellt, verzeiht ein ordentlicher Pinsel sogar einen zittrigen Anfängerstrich. Heidlinde Fuchs, eine Leserin, die mir regelmäßig schreibt, fragt in den Kommentaren fast nie nach Technik, sondern immer ganz konkret, welchen Pinsel sie kaufen soll. Ihr antworte ich jedes Mal dasselbe: erst den einen guten, den Rest später.

Skizzenbuch beim Malen lernen — ein misslungener grauer Baum neben einer gelungenen Blattstudie

Mit einem einzigen Pinsel malen lernen und dranbleiben

Struktur hat mir am Anfang trotzdem gutgetan. Den Aquarell Online Kurs [Mein Sonntagskurs] von Timothy90 arbeite ich seit Monaten durch, und die Lektionen sind kurz genug für einen einzigen Sonntagvormittag, ohne dass der Kaffee kalt wird. Um die sechste Woche mit Timothy90 herum rührte ich an einem Morgen die Grüntöne für eine Hecke zusammen, ganz ohne langes Nachdenken, und sie stimmten auf Anhieb. Kein großer Aha-Moment, eher ein leises: ah, das sitzt jetzt. Wie man Farbe geduldig in Schichten aufbaut, übt man dort ebenfalls. Nur die Pinsel, das Papier und die Farben muss man sich noch dazukaufen, der Kurs allein malt nicht.

Angefangen hat das alles mit Gerhild Messing, einer früheren Kollegin, die mir kurz vor der Pension vom Aquarell erzählt hat, sachlich wie immer, ohne großes Schwärmen, einfach „probier's mal". Ihre Mails kommen heute nur noch selten, aber der Funke ist geblieben. Einen reinen Zeichenkurs habe ich auch im Regal, den DrawTuts Zeichnen Lernen, doch der harte Bleistift zieht mich nicht so wie der weiche Pinsel, der die Farbe fließen lässt. Wenn sich morgens die frische Farbe im Wasserglas löst, steigt ein leiser, erdiger Geruch auf, den ich inzwischen fest mit dem Sonntag verbinde.

Kleines Aquarell-Reiseset für Wochenaquarell unterwegs auf dem Klapptisch im Zug

Der kleine Luxus, der den Sonntag rettet

Meine Tochter in Heidelberg, zwei kleine Kinder, findet höchstens zwanzig Minuten Ruhe, bevor wieder jemand ruft. „Mama, für die ganze Vorbereitung hätte ich gar keine Geduld", hat sie neulich gesagt. Aber gerade dann muss das Werkzeug einfach funktionieren. Dass kreative Beschäftigung für Rentner guttut, merke ich weniger am fertigen Bild als am ruhigen Kopf danach, und aus einem misslungenen Blatt lernt man ohnehin mehr als aus einem geglückten. Für die Bahnfahrten zu ihr habe ich mir einen kleinen Skizzen-Videokurs gegönnt: kurze Impulse, gut zwischen einem Espresso und dem Blick aus dem Fenster.

Wer mit über fünfzig noch einmal anfängt, sollte an genau einer Stelle nicht sparen: bei dem einen guten Rundpinsel in Größe 8 oder 10. Kauf ihn zuerst, vor allem anderen, er wird dein bester Freund am Sonntagmorgen. Falls du dabei eine Struktur suchst, die dich nicht überfordert, schau dir den Sonntagskurs an; er hat mir über die ersten holprigen Wochen geholfen. Der Kaffeebecher steht schon wieder links neben dem Block, das Ostfenster einen Spalt offen, auf der Ablage gegenüber trocknet das Blatt von heute. Mehr braucht ein guter Sonntag nicht.

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