
Es ist kurz nach sieben an diesem Donnerstagmorgen Ende Mai. Die Sonne schiebt sich gerade über die Dächer von Würzburg, und in meiner Küche ist es noch dieses wunderbare bisschen zu kühl, bevor der Tag richtig losgeht. Ich sitze hier mit meiner zweiten Tasse Kaffee und zum fast neunzigsten Mal öffne ich nicht das Klassenbuch, sondern diese kleine, mittlerweile etwas verkratzte Metalldose mit den bunten Näpfchen. Dieses leise Klicken beim Aufklappen – das ist für mich mittlerweile das Geräusch von Freiheit.
Bevor ich dir erzähle, was sich seit meinem Start im Herbst 2024 alles auf meinem Küchentisch verändert hat, ein kurzes Wort der Offenheit: Auf dieser Seite verwende ich Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich kostet es keinen Cent mehr. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst bezahlt habe und die ich seit Monaten wirklich nutze – volle Ehrlichkeit unter uns Anfängern, das bin ich meinen ehemaligen Schülern und jetzt dir schuldig.
Vom Lärm der Pause zur Stille der Pigmente
Im Juli 2024 habe ich nach 35 Jahren an der Grundschule aufgehört. Wer noch nie vor einer Klasse mit 25 quirligen Kindern stand, kann sich die Stille nicht vorstellen, die danach kommt. Im August saß ich oft hier am Fenster und wusste nichts mit meinen Händen anzufangen. Kein Rotstift, kein Korrigieren. Eine liebe Kollegin hatte mir zum Abschied von ihrem Aquarellkasten erzählt. Als Kind habe ich gerne gemalt, aber dazwischen lagen Jahrzehnte voller Sachunterricht und Elternabende.
Im Oktober 2024 kaufte ich mir mein erstes Set. Seitdem ist fast jeder Sonntagvormittag reserviert. Fenster auf, die frische Main-Luft reinlassen, das Papier bereitlegen. Ich bin keine Künstlerin, ich habe nie Kunst unterrichtet – ich bin einfach eine Frau, die mit 58 noch einmal ganz von vorne angefangen hat. Falls du auch in Rente bist und nach einem Sinn suchst, habe ich hier über die kreative Beschäftigung für Rentner zu Hause geschrieben.

Warum weniger Farben am Anfang mehr Freude machen
Als ich anfing, dachte ich, ich bräuchte alle Farben des Regenbogens. Ich wollte das perfekte Himmelblau und das perfekte Tannengrün sofort im Kasten haben. Aber wisst ihr, was passiert ist? Ich war völlig überfordert. Inzwischen weiß ich: Ein kleiner Kasten mit 12 Grundfarben reicht völlig aus. Das Mischen ist doch das eigentliche Abenteuer. Letzten Sonntag wollte ich ein zartes Frühlingsgrün für meine Wiese malen, und am Ende sah es eher nach einer sehr alten Algensuppe aus. Ich musste über mich selbst lachen – da sitzt die ehemalige Lehrerin und bekommt kein ordentliches Grün hin.
Ich habe gelernt, dass man Aquarellfarben nicht „beherrschen“ kann wie eine Rechtschreibregel. Die Farbe hat ihren eigenen Kopf. Wenn man zu viel Wasser nimmt, läuft sie weg; wenn man zu wenig nimmt, wirkt alles hölzern. In meinem Aquarell Online Kurs, den ich jetzt seit über einem Jahr mache, sagt Timothy immer, man solle den Pinsel „tanzen“ lassen. Das klingt für eine Frau wie mich erst mal ein bisschen zu poetisch, aber es stimmt: Sobald ich verkrampfe, wird das Bild nichts.
Die Sache mit dem Papier: Ein teurer Fehler
Ein großer Fehler, den ich im ersten Winter gemacht habe: Ich habe mir dieses sündhaft teure Profipapier gekauft. Ich dachte, wenn das Material teuer ist, wird das Bild automatisch besser. Weit gefehlt. Das Papier war so hochwertig, dass es die Feuchtigkeit ewig hielt. Als Anfängerin saß ich davor und wusste nicht, wie ich mit der nassen Fläche umgehen soll. Alles floss ineinander, bis nur noch ein grauer Matsch übrig blieb.
Heute nutze ich ein solides Studienpapier mit 300g/m². Es ist geduldig. Es verzeiht, wenn ich mal zu viel rubbel, und es trocknet schnell genug, dass ich in meinen zwei Stunden am Sonntag auch fertig werde. Über meine ersten Versuche mit Wasser und Papier habe ich auch in meine Erfahrungen mit der Aquarell Nass-in-Nass Technik berichtet. Es ist wie beim Backen: Man muss erst wissen, wie der Ofen heizt, bevor man die dreistöckige Torte versucht.

Meine Begleiter auf dieser Reise
Ich bin ein Strukturmensch. Ohne einen roten Faden hätte ich im zweiten Monat wahrscheinlich aufgegeben. Der Aquarell Online Kurs [Mein Sonntagskurs] war für mich der Anker. Die Lektionen sind kurz, etwa 15 bis 20 Minuten, was perfekt in meinen Rhythmus passt. Man merkt, dass der Kurs schon lange existiert – alles wirkt durchdacht und ruhig. Keine Hektik, keine laute Musik, nur das Malen.
Ich habe auch anderes probiert. Zum Beispiel den Zeichnen Lernen Kurs. Aber nach drei Lektionen habe ich ihn pausiert. Der Bleistift fühlte sich für mich einfach nicht richtig an. Er war so streng, so unnachgiebig. Ich wollte keine Schatten schraffieren, ich wollte, dass die Farben fließen. Vielleicht bin ich dafür einfach zu ungeduldig, oder mein Herz schlägt eben mehr für Pigmente als für Graphit.
Wenn ich zu meiner Tochter nach Heidelberg fahre – sie hat dort eine kleine Wohnung und arbeitet viel –, nehme ich oft den Skizzen Video-Kurs mit. Im ICE ist das ideal. Man braucht nur einen Wassertankpinsel und einen kleinen Block. Es ist kein großer Kurs mit Lehrplan, eher eine Sammlung von Impulsen. Letzten Monat habe ich im Zug versucht, die Weinberge bei Sonnenuntergang zu skizzieren. Es sah furchtbar aus, ehrlich. Aber das Gefühl, im Zug zu sitzen und einfach nur zu beobachten und zu zeichnen, statt auf das Handy zu starren, war unbezahlbar. Mehr dazu gibt es in meinem Eintrag über Reiseskizzen im Zug nach Heidelberg.
Was ich heute anders mache als 2024
Wenn ich heute auf meine ersten Versuche zurückblicke, muss ich schmunzeln. Ich war so verbissen! Ich wollte, dass die Blume genau so aussieht wie in der Vorlage. Heute, im Mai 2026, bin ich entspannter. Hier sind ein paar Dinge, die ich erst mit der Zeit begriffen habe:
- Das Weiß des Papiers: Als Lehrerin wollte ich immer alles ausfüllen. Im Aquarell ist das Weiß des Papiers deine wichtigste Farbe. Man muss Mut zur Lücke haben.
- Geduld mit dem Trocknen: Manchmal ist die beste Maltechnik, einfach mal aufzustehen und den Kaffee nachzuschenken, während die erste Schicht trocknet.
- Fehler sind Freunde: Mein Enkel kam neulich vorbei und sah ein Bild, bei dem mir ein dicker blauer Tropfen ins Gelb gelaufen war. Er sagte: "Oma, das sieht aus wie ein kleiner See im Wald!" Er hatte recht. Manchmal macht der Zufall die besten Geschenke.

Ein kleiner Rat von Küchentisch zu Küchentisch
Wenn du überlegst, anzufangen: Warte nicht auf den perfekten Moment oder das teuerste Set. Kauf dir einen soliden kleinen Kasten, ein paar ordentliche Pinsel und fang einfach an. Mit 58 (oder wie alt du auch sein magst) musst du niemandem mehr etwas beweisen. Wir benoten hier nichts. Es gibt kein Klassenbuch und keine Nachprüfungen.
Such dir vielleicht eine Anleitung, die dich nicht stresst. Für mich war der Aquarell Online Kurs genau richtig, weil er mir die Hand gehalten hat, ohne mich einzuschränken. Es ist ein schönes Gefühl, am Sonntagmorgen etwas zu erschaffen, das vorher nicht da war – auch wenn es nur eine etwas schiefe Blume ist. Es gehört dir, und das ist das Einzige, was zählt.
Vielleicht sehen wir uns ja mal virtuell in einem der Kurse. Bis dahin: Hab Geduld mit dir selbst. Das habe ich in 35 Jahren Schule gelernt – und lerne es jetzt jeden Sonntag am Küchentisch ganz neu.