Aquarell Sonntag

Der Sonntag, der nach Stille schmeckte: Mein Weg vom Klassenbuch zum Aquarellkasten (Update 2026)

Letzte Änderung

Es ist kurz nach sieben an diesem Sonntagmorgen im Mai. Das einzige Geräusch in meiner Würzburger Küche ist das leise Blubbern der Kaffeemaschine und das ferne Läuten der Glocken vom Dom. Vor mir liegt ein Bogen Papier, so weiß und unschuldig wie ein neues Klassenbuch zum Schuljahresbeginn. Aber heute trage ich keine Fehlstunden ein. Heute warte ich darauf, dass das Wasser in meinem Glas die ersten Pigmente aufsaugt. Vor fast zwei Jahren, im Juli 2024, habe ich meinen letzten Schlüsselbund abgegeben und die Grundschultür hinter mir zugezogen. Damals wusste ich nicht, dass die Stille so laut sein kann.

Bevor ich dir von meinen neuesten Versuchen mit dem Pinsel erzähle, ein kurzes Wort der Offenheit: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision — dir entstehen dabei keine Mehrkosten. Ich verlinke hier ausschließlich Kurse, die ich selbst mit meinem eigenen Geld bezahlt und über Monate an meinem Küchentisch ausprobiert habe. Das ist meine Form von Lehrer-Ehrlichkeit: Ich zeige dir nur, was bei mir auch wirklich funktioniert hat.

Wenn das Lehrerzimmer plötzlich leer ist

Nach 35 Jahren im Schuldienst, in denen ich Deutsch und Sachunterricht gegeben habe, war mein Leben von einem 45-Minuten-Takt bestimmt. Als ich im August 2024 zum ersten Mal keinen Stundenplan für das kommende Jahr erstellen musste, fühlte ich mich verloren. Eine liebe Kollegin hatte mir zum Abschied von der Aquarellmalerei vorgeschwärmt. Ich erinnerte mich dunkel, dass ich als Kind gerne gemalt hatte, bevor die Korrekturen von Aufsätzen jeden kreativen Funken erstickten.

Im Oktober 2024 kaufte ich mir schließlich meinen ersten Kasten. Es war ein zaghafter Anfang. Ich dachte, ich müsste erst perfekt zeichnen können, und probierte den Zeichnen Lernen Kurs aus. Aber nach drei Lektionen merkte ich: Der Bleistift fühlte sich für mich zu sehr nach Arbeit an. Dieses ständige Radieren und Schattieren in Grautönen erinnerte mich an die Randnotizen in den Heften meiner Schüler. Ich wollte aber keine Fehler korrigieren, ich wollte Farbe fließen sehen. Also legte ich den Bleistift beiseite. Manchmal muss man im Ruhestand erst lernen, dass man nichts mehr muss — auch nicht einen Kurs zu Ende bringen, der sich nach Pflicht anfühlt.

Das Ritual zwischen sieben und neun

Ich habe gelernt, dass ich Struktur brauche, auch ohne Schulleitung. Mein Sonntagvormittag gehört mir. Von sieben bis neun, wenn die Stadt noch schläft, öffne ich das Fenster weit, lasse die frische Main-Luft herein und decke meinen Küchentisch. Es ist ein heiliger Moment. In den letzten 18 Monaten habe ich fast jeden Sonntag hier gesessen. Ich bin keine Künstlerin und besitze kein Atelier, ich bin einfach Renate, die mit 58 noch einmal bei Null angefangen hat.

Der Kurs, der mich wirklich abgeholt hat, war der Aquarell Online Kurs [Mein Sonntagskurs]. Warum? Weil er für meine Hände, die jahrzehntelang nur Kreide und Kugelschreiber hielten, viel verzeihender ist. Aquarell hat diesen wunderbaren Eigensinn. Manchmal plant man einen sanften Übergang für einen Himmel, und das Wasser entscheidet sich für ein wildes Gewitter. In Woche 4 des Kurses (das war irgendwann im späten Herbst 2024) habe ich zum ersten Mal begriffen, dass das Verlaufen der Farbe kein Fehler ist, den man mit Rotstift markieren muss, sondern ein Geschenk.

Inzwischen habe ich gelernt, dass man beim Material nicht knausern sollte. Ein ordentliches Aquarellpapier mit 300g/m² macht den Unterschied zwischen Frust und Freude. Wenn das Papier sich wellt wie eine alte Landkarte im Sachunterricht, verliert man die Lust. Wer wie ich auf das Budget achten muss, sollte lieber drei gute Farben kaufen als dreißig billige, die nur wie bunter Staub auf dem Papier liegen.

Vom Scheitern und vom Lachen

Letzte Woche — es war ein recht grauer Sonntag im Mai — wollte ich die Fliederbüsche im Garten meiner Nachbarin malen. Ich hatte mir so viel vorgenommen. Ich mischte ein tiefes Violett, setzte den Pinsel an und... es wurde ein einziger, dunkler Matschfleck. Vor zwei Jahren hätte mich das frustriert. Ich hätte das Blatt zerknüllt und gedacht, ich bin zu alt für was Neues.

Aber heute? Ich sah mir diesen lila Klecks an, trank einen Schluck Kaffee und musste lachen. Mein Enkel, der mich neulich besuchte, sagte: "Oma, das sieht aus wie ein explodiertes Monster!" Und er hat recht. Es muss nicht alles in den Rahmen. In meinem Alter ist die Freude am Tun wichtiger als das Ergebnis an der Wand. Das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die ich in meinem neuen Hobby mit 50 plus gelernt habe.

Ich habe zwischendurch auch mal versucht, einen Schritt weiterzugehen und mich an Porträts gewagt. Ich kaufte den Menschen Zeichnen Masterkurs, aber ich muss ehrlich zu dir sein: Ich habe ihn pausiert. Für mich war das Tempo zu rasant. Die Anatomie, die Proportionen — das fühlte sich wieder so nach „richtig oder falsch“ an. Vielleicht kehre ich irgendwann dazu zurück, aber im Moment brauche ich die Freiheit der Blumen und Landschaften mehr als die Strenge eines Gesichts.

Unterwegs nach Heidelberg

Wenn ich meine Tochter in Heidelberg besuche, was ich etwa einmal im Monat mache, nehme ich nicht mehr den großen Kasten mit. Die Zugfahrt dauert nicht lang, aber ich genieße es, die vorbeiziehende Landschaft in schnellen Strichen festzuhalten. Dafür habe ich mir den kleinen Skizzen Video-Kurs gegoennt. Es sind kurze Impulse, die perfekt zwischen zwei Bahnhöfe passen.

Letzten Dienstag saß mir eine junge Frau gegenüber, die ganz fasziniert zusah, wie ich mit meinem kleinen Wassertankpinsel hantierte. Wir kamen ins Gespräch. Sie dachte, ich mache das schon ewig. Als ich ihr erzählte, dass ich vor kurzem noch Klassenarbeiten korrigiert habe und erst seit anderthalb Jahren male, war sie sichtlich ermutigt. Das ist es, was ich auch dir sagen möchte: Es ist nie zu spät, die Angst vor dem weißen Blatt zu verlieren. Ich habe dazu auch mal einen Text geschrieben, wie ich diese Hürde genommen habe.

Ein Stapel voller Leben

Wenn ich heute durch meine Mappe blättere, sehe ich meine eigene Entwicklung. Die Bilder vom Anfang, vom Oktober 2024, sind noch sehr vorsichtig, fast ängstlich. Die Bilder von heute, aus dem Mai 2026, sind mutiger. Sie sind nasser, bunter und manchmal eben auch herrlich misslungen. Ich sehe nicht nur Farbe auf Papier, ich sehe meine wiedergewonnene Zeit.

Falls du auch gerade merkst, dass die Stille in deinem Zuhause zu groß wird, oder wenn du einfach am Sonntag eine Insel für dich suchst: Probier es aus. Du musst keine Künstlerin sein. Du musst nur anfangen. Wenn du eine Struktur suchst, die dich an die Hand nimmt, ohne dich zu bevormunden, schau dir den Sonntagskurs an. Er hat mir geholfen, den roten Korrekturstift endgültig wegzulegen und stattdessen den Pinsel tanzen zu lassen.

Nächste Woche versuche ich mich übrigens an den Spiegelungen im Main — das Wasser im Wasser malen, das klingt fast nach einer philosophischen Aufgabe für eine ehemalige Deutschlehrerin, oder? Ich werde berichten, ob es ein Meisterwerk oder wieder nur ein sehr schöner, blauer Matschfleck geworden ist.

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