
Der Moment, in dem die Welt im ICE vibriert
Das leise, rhythmische Klappern meines Wassertankpinsels gegen den Plastikbecher – oder war es die Kante des Klapptischs? – mischte sich mit dem sanften Summen des ICE 622, während wir irgendwo bei Aschaffenburg in die Kurve gingen. Es war der 15. März 2026, ein Sonntag, an dem ich nicht wie sonst an meinem vertrauten Küchentisch in Würzburg saß. Stattdessen zitterte mein Aquarellblock unter meinen Fingern, und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich den Mut, mein kleines Farbset mitten im Abteil auszupacken. 35 Jahre lang habe ich Klassenarbeiten korrigiert und dabei auf absolute Ruhe und Ordnung geachtet. Jetzt saß ich hier, eine 58-jährige Deutschlehrerin im Ruhestand, und versuchte, die vorbeihuschende Welt in Farben festzuhalten, während der Schaffner zwei Reihen weiter bereits die Tickets kontrollierte.
Bevor ich dir mehr von meinen krummen Linien und den Farbflecken auf meiner Strickjacke erzähle, ein kurzes Wort der Offenheit: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – dir entstehen dabei keine Mehrkosten. Ich verlinke hier nur Dinge, die ich selbst bezahlt und mindestens einen Monat lang ausprobiert habe. Als Pensionärin schaue ich genau auf mein Budget, und du kannst dich darauf verlassen, dass ich hier nur meine ehrliche Erfahrung teile.
Vom stillen Sonntagmorgen in das Getümmel der Schienen
Seit Oktober 2024 gehört der Sonntagvormittag von 7 bis 9 Uhr mir und meinen Farben. Du kennst vielleicht meine Geschichte, wie ich nach dem Ende meiner Schulzeit im Juli 2024 erst einmal lernen musste, die Stille zu ertragen. In meinem Artikel über den Sonntag, der nach Stille schmeckte, habe ich darüber geschrieben. Aber die Fahrten zu meiner Tochter nach Heidelberg waren bisher immer „tote Zeit“. 94 Minuten braucht der ICE von Würzburg nach Heidelberg. 94 Minuten, in denen ich früher oft nur aus dem Fenster starrte oder in Gedanken noch einmal die Lehrerkonferenzen der letzten Jahrzehnte durchging.
Im März kam dann der Umschwung. Ich hatte den Aquarell Online Kurs von Timothy90 bereits komplett durchgearbeitet und fühlte mich an meinem Küchentisch sicher. Aber unterwegs? Das war eine ganz andere Welt. Mein erstes Farbkästchen für Anfänger fühlte sich plötzlich riesig an, als ich versuchte, es zwischen meinem Kaffee und dem Laptop meines Sitznachbarn zu balancieren. Doch der Wunsch, diese kurzen Momente der Reise festzuhalten, war stärker als die Angst, mich zu blamieren.
Häppchen-Lernen für die 94-Minuten-Fahrt
Ich habe schnell gemerkt, dass ich im Zug keine großen Kunstwerke erschaffen kann. Es ist laut, es wackelt, und ständig will jemand vorbei. Deshalb habe ich mir für diese Reisen den Skizzen Video-Kurs [Reisebegleiter] gegönnt. Er kostet nur 31 Dollar, was bei den 20 enthaltenen Lektionen etwa 1,55 Dollar pro Video-Impuls macht. Das ist weniger als der Espresso im Bordbistro kostet, und es passt perfekt in mein Zeitfenster.
Was ich an diesem Kurs liebe: Er ist kein didaktisches Meisterwerk mit strengem Aufbau – Gott bewahre, davon hatte ich im Schuldienst genug. Es sind eher kleine „Snacks“ für die Seele. Ein Video dauert oft nur wenige Minuten und gibt mir genau eine Idee für die nächste Teilstrecke. Das ist ideal, wenn man nicht weiß, ob man gleich unterbrochen wird. Ich hatte zuvor das Zeichnen Lernen nach Lektion 3 pausiert, weil sich der Bleistift für mich einfach zu hart und „falsch“ anfühlte. Aber diese schnellen Skizzen mit dem Wassertankpinsel? Das fühlte sich nach Freiheit an.
Der explodierte Spinatfleck bei 250 km/h
Man muss ehrlich zu sich selbst sein, besonders wenn man mit 58 noch einmal etwas Neues anfängt. Am 12. April versuchte ich, eine wunderschöne, einsame Pappel auf einem Feld bei voller Fahrt zu malen. Der ICE beschleunigte gerade auf 250 km/h. Ich setzte den Pinsel an, der Zug machte einen kleinen Satz, und was eigentlich ein graziler Baum werden sollte, sah am Ende aus wie ein explodierter Spinatfleck auf dem Papier.
Früher hätte ich mich geärgert. Ich hätte gedacht: „Renate, du hast 35 Jahre lang Klassenarbeiten korrigiert, jetzt darfst du doch keine so krumme Linie ziehen!“ Aber während ich diesen grünen Klecks betrachtete, musste ich schmunzeln. In meinem Alter darf man auch mal Spinatflecken produzieren. Es geht nicht um das Ergebnis, sondern um das Gefühl, den Moment mit dem Pinsel berührt zu haben. Im April sind so insgesamt 12 Reiseskizzen entstanden – manche nur drei Minuten lang, manche etwas ausführlicher, wenn der Zug mal wieder auf freier Strecke warten musste.
Das Problem mit dem Platz: Malen im Pendler-Chaos
Die meisten Anleitungen für Reiseskizzen gehen davon aus, dass man an einem malerischen Brunnen in der Toskana sitzt, mit einem Glas Wein neben sich und alle Zeit der Welt. Die Realität im Regionalexpress oder im überfüllten ICE sieht anders aus. Da kämpft man um jeden Zentimeter auf dem Klapptisch.
Hier sind zwei Dinge, die ich auf die harte Tour gelernt habe:
- Das Papier: Nimm nichts unter 300g/m2. Im Zug ist die Luftfeuchtigkeit oft seltsam, und wenn man dann noch mit dem Wassertankpinsel arbeitet, wellt sich dünnes Papier sofort. Ich nutze ein kleines, gebundenes Skizzenbuch, das stabil genug ist, um es auch mal auf dem Knie zu balancieren.
- Wassertankpinsel sind Lebensretter: Ein offenes Wasserglas auf diesen wackeligen Tischen ist eine Einladung für eine Katastrophe. Ein Wassertankpinsel ist sauber und man muss keine Angst haben, dass der Sitznachbar plötzlich ein blaues Hemd bekommt, nur weil der Zug bremst.
Einmal hatte ich einen echten Schreckmoment. Ich war gerade dabei, die Silhouette von Heidelberg zu skizzieren, die Farben waren noch ganz nass auf der Palette. Plötzlich stand der Schaffner neben mir: „Die Fahrkarten bitte!“ Mein Herz klopfte bis zum Hals, während ich versuchte, mit der einen Hand die nasse Palette zu balancieren und mit der anderen in meiner Tasche nach dem Handy zu kramen. Er schaute auf mein Bild, lächelte kurz und sagte: „Schönes Blau.“ Das war’s. Niemand hat mich ausgeschimpft, weil ich den Tisch „Zweckentfremdet“ habe.
Moderne Kunst oder einfach nur verunglückt?
Ein besonders schöner Moment passierte am 26. April. Ein älterer Herr neben mir beobachtete mich eine ganze Weile dabei, wie ich versuchte, eine Brücke zu zeichnen. Die Perspektive war völlig daneben – sie sah eher aus wie eine Banane, die über einem Fluss schwebt. Als ich seufzte und das Buch zuklappen wollte, sagte er: „Lassen Sie das so. Das ist moderne Kunst, das hat Charakter.“
Wir haben dann den Rest der Fahrt über das Reisen gesprochen. Solche Begegnungen hätte ich nie gehabt, wenn ich nur stumm auf mein Handy gestarrt hätte. Das Skizzenbuch ist wie ein kleiner Eisbrecher. Es zeigt, dass man sich mit der Welt beschäftigt, statt sich vor ihr zu verschließen. Auch wenn ich oft noch an den Grundlagen arbeite, wie ich es in meinem Kurs über Aquarell Blumen beschreibe, ist das Malen unterwegs eine ganz eigene Schule der Geduld.
Warum ich den kleinen Impuls-Kurs so schätze
Ich habe auch den Menschen Zeichnen Masterkurs auf meiner Liste stehen, aber ehrlich gesagt habe ich ihn erst einmal pausiert. Für die Reise ist er viel zu komplex. Wenn man im Zug sitzt, braucht man keine Anatomie-Studien, sondern Inspiration für den Augenblick.
Der Skizzen Video-Kurs [Reisebegleiter] gibt mir genau das. Er zwingt mich nicht, eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten. Wenn ich Lust auf Architektur habe, schaue ich mir den Impuls dazu an. Wenn ich nur Farben mischen will, während die Weinberge vorbeiziehen, mache ich das. Es ist die Freiheit, die ich nach all den Jahren mit festem Stundenplan so sehr genieße.
Manchmal sind die Videos für mich fast zu schnell, aber das Schöne ist ja, dass man sie einfach pausieren kann. Wenn du also auch oft unterwegs bist und dich bisher nicht getraut hast: Fang klein an. Ein Stift, ein kleiner Kasten, ein Wassertankpinsel. Es muss nicht perfekt sein. Es muss sich nur richtig anfühlen.
Ankunft mit feuchten Seiten
Wenn ich dann in Heidelberg aussteige und meine Tochter mich am Bahnsteig umarmt, ist das Skizzenbuch oft noch feucht. Ich lege dann immer ein Papiertaschentuch zwischen die Seiten, damit nichts verklebt. Wenn wir dann später bei ihr auf dem Balkon sitzen und ich ihr zeige, was ich während der 94 Minuten gemacht habe, ist das ein ganz anderes Gefühl als früher. Ich habe die Zeit nicht „abgesessen“. Ich habe sie belegt – mit Farben, mit Beobachtungen und mit ein bisschen Mut.
Vielleicht hast du ja auch noch ein altes Skizzenbuch in der Schublade liegen? Oder du suchst noch nach einem Grund, die nächste Zugfahrt nicht nur mit dem Handy zu verbringen. Schau dir doch mal die kleinen Video-Impulse für unterwegs an. Es ist ein wunderbarer Weg, um auch außerhalb der eigenen vier Wände kreativ zu sein, ohne sich dabei wie in einer Kunstklasse zu fühlen.
Nächsten Sonntag sitze ich wieder an meinem Küchentisch in Würzburg, ganz ohne Wackeln und vibrierende Tische. Aber ich weiß jetzt schon: Die kleine Skizze aus dem Zug wird mich beim Malen begleiten. Sie erinnert mich daran, dass das Leben auch mit 58 noch voller neuer Perspektiven steckt – man muss sie nur einfangen, bevor der Zug den nächsten Bahnhof erreicht.