Aquarell Sonntag

Warum Maskierflüssigkeit im Aquarell für Anfänger beim Malen so wichtig ist

Der kleine Pinsel taucht zuerst in Seifenwasser, dann in die bläuliche Maskierflüssigkeit, bevor ich ihn ganz langsam über die schmalen Stellen ziehe, die später weiß bleiben sollen. Draußen ist es still, drinnen nur das leise Kratzen der Borsten auf dem Papier. Für Aquarell-Anfängerinnen entscheidet sich genau in diesem Moment, ob die Maltechnik mit der Maskierflüssigkeit wirklich sitzt oder nur behauptet wird. Als ich den Pinsel schließlich weglegte, war der ganze Vormittag einfach so an mir vorbeigezogen, ohne dass ich auch nur einmal auf die Uhr geschaut hätte.

Maskierflüssigkeit: Schutzschild fürs weiße Papier

Beim Aquarell ist Weiß keine Farbe, die man aufträgt, sondern das Papier selbst, das man bewusst freilässt. Wer die Flasche zum ersten Mal öffnet, riecht sofort diesen typischen, leicht stechenden Geruch von Ammoniak – kein Zufall, denn im Kern ist die Flüssigkeit nichts anderes als Latex in flüssiger Form, verdünnt genug, um sich mit einem feinen Pinsel auftragen zu lassen. Man trägt sie auf, lässt sie trocknen, malt großzügig drüber und löst sie danach wieder ab.

Weil die geschützten Stellen abgedeckt sind, kann man den Rest des Blattes richtig frei im nass-in-nass fluten lassen, ohne dass die hellen Punkte darunter Schaden nehmen. Wenn dazu noch das Morgenlicht schräg über das Papier fällt, sieht man plötzlich jede einzelne Faser der Körnung – genau dort, wo die Flüssigkeit später sitzen muss, wird diese Präzision auf einmal wichtig.

Maltechnik mit Maskierflüssigkeit: feiner Pinsel trägt blaue Flüssigkeit präzise auf Aquarellpapier auf

So kommt sie sauber aufs Blatt

Vor dem Auftragen schüttle ich das Fläschchen gründlich, weil sich die Flüssigkeit sonst entmischt und ungleichmäßig auf dem Papier landet. Für den Auftrag selbst nehme ich nie einen meiner guten Pinsel, denn der Latex trocknet so schnell, dass er die feinen Haare regelrecht verklebt. Ein alter, ausrangierter Pinsel mit feiner Spitze reicht völlig, und getaucht in etwas Seifenwasser lässt er sich hinterher leichter wieder auswaschen.

Aufgetragen wird dünn und gezielt, nicht in dicken Klecksen. Wie sauber sich die Maskierung später wieder löst, hängt außerdem von deinem Papier ab: Auf zu dünnem oder zu leichtem Papier ist das Risiko groß, dass beim Abziehen ein Stück der obersten Schicht mitreißt. Für Aquarell-Anfängerinnen lohnt es sich also, schon beim Papierkauf an diesen späteren Moment zu denken, auch wenn das noch mal ein ganz eigenes Thema ist.

Die Flüssigkeit muss richtig trocknen, bevor irgendetwas passiert

Hier beginnt die eigentliche Geduldsprobe. Die Flüssigkeit muss vollständig durchgetrocknet sein, bevor der nasse Pinsel auch nur in ihre Nähe kommt, und das dauert meistens länger, als man am Anfang glaubt. Solange die Streifen noch glänzen, ist die Zeit noch nicht gekommen. Erst wenn sie matt und leicht gummiartig aussehen, darf die Farbe drüber.

Zum Testen reicht ein ganz leichtes Antippen mit dem Fingerrücken, niemals mit dem Nagel. Draußen führt meine Nachbarin um diese Zeit fast täglich ihre Nordic-Walking-Runde durch den Ringpark, bei fast jedem Wetter, während ich am Tisch sitze und warte, bis aus glänzendem Blau ein mattes Gummihäutchen geworden ist.

Getrocknete Maskierflüssigkeit vorsichtig vom Aquarellbild abrubbeln, weißes Papier kommt zum Vorschein

Rubbeln oder Reißen: zwei sehr unterschiedliche Enden

Sobald die Farbe komplett trocken ist, reibt man vorsichtig mit dem Finger oder einem weichen Radiergummi über die gummierte Stelle. Darunter kommt das strahlend weiße Papier zum Vorschein, mit einer Kante, die man von Hand kaum so sauber hinbekäme. Es hat etwas sehr Befriedigendes, diesen Moment zu erleben, nachdem man die ganze Zeit vorher nur abgewartet hat.

Wer dabei zu hart rubbelt oder das Papier erwischt, das im Inneren der Fasern noch feucht war, reißt sich manchmal ein Stück der obersten Schicht mit heraus. Genau darum geht es auch in meinem Beitrag über Aquarell Fehler korrigieren, wo ich zeige, dass so ein Riss selten das Ende eines Bildes bedeutet, sondern eher eine neue Aufgabe.

Maskierflüssigkeit und die Gefahr der Bequemlichkeit

Diese Frage stelle ich mir öfter, als mir lieb ist. Die Flüssigkeit nimmt einem so viel Stress ab, dass man sich ganz auf den Farbfluss und das Wasser konzentrieren kann, ohne ständig Angst vor dem Übermalen zu haben. Gleichzeitig merke ich, wie bequem sie machen kann: Wer sich bei jedem Bild sofort auf die Flasche verlässt, trainiert die eigene Pinselführung nie wirklich.

Walpurga Kiefer, die ich aus dem Forum des Timothy90-Kurses kenne, ist damals deutlich zügiger durch die Lektionen gekommen als ich. Sie meinte neulich, sie male inzwischen kaum noch ohne Maskierung, weil sie genau weiß, wann sich der Aufwand lohnt und wann nicht. Bei ihr ist das kein Zeichen von Bequemlichkeit, sondern von Erfahrung.

Als Faustregel merke ich mir Folgendes: Kleine, unregelmäßige Lichtpunkte oder sehr schmale Kanten maskiere ich fast immer, weil die Hand dafür einfach nicht präzise genug ist. Große, ruhige Flächen dagegen versuche ich zunehmend ohne Schutz zu malen, allein um zu spüren, was mein Pinsel inzwischen schon kann. Diese Mischung, nicht die Flüssigkeit allein, entscheidet am Ende über die Kontrolle auf dem Blatt.

Scharfe Kanten durch Maskierflüssigkeit im Vergleich zu weich gemalten Kanten in der Aquarell-Maltechnik

Zwischen Schutz und eigener Pinselführung

Bevor ich zum Aquarell fand, hatte ich mich eine Weile am Stricken versucht, nach Anleitungen von YouTube-Videos. Die Maschen sind mir dabei ständig von der Nadel gerutscht, und irgendwann habe ich das Wollknäuel einfach in die Schublade gelegt. Beim Aquarell ist mir das mit der Maskierflüssigkeit nicht passiert, vielleicht, weil ein kleiner Fehler hier nicht gleich das ganze Muster zerstört, sondern nur eine Ecke des Blattes.

Gerade wenn ich für eine verschneite Winterlandschaft malen will, mit schmalen weißen Ästen vor dunklem Himmel, gibt mir das kleine Fläschchen die Sicherheit, überhaupt anzufangen. Sobald die geschützten Stellen wieder frei sind, lässt sich später sogar noch einmal in dünnen Lagen darüber malen, um Tiefe ins Bild zu bringen – das ist aber schon wieder ein eigenes Thema für sich.

Wichtiger für den Anfang bleibt die Sonntagsroutine selbst: das kleine Ritual mit Kaffee, Pinsel und einem Blatt Papier, das jede Woche neu beginnt und das ich in meinem Hobbymaler-Tagebuch immer wieder festhalte. Nimm die Maskierflüssigkeit zu Hilfe, wo du sie brauchst, aber leg sie ab und zu bewusst beiseite, nur um zu sehen, was deine Hand inzwischen alleine schafft. Ganz ähnlich war es, als ich mir vornahm, Menschen zeichnen zu lernen – dort waren es ganz andere Muskeln, aber am Ende ging es auch dort darum, der eigenen Hand mehr zuzutrauen als jedem Hilfsmittel.

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