Aquarell Sonntag

Eine verschneite Winterlandschaft malen mit Aquarell für absolute Anfänger

Draußen vor meinem Küchenfenster in Würzburg herrscht diese ganz besondere Stille, die es nur gibt, wenn der erste richtige Schnee gefallen ist. Es ist kurz nach Neujahr, die Kaffeemaschine hat gerade ihr letztes zufriedenes Seufzen von sich gegeben, und die Welt im Garten ist unter einer dicken, weißen Decke verschwunden. In meinem ersten Berufsleben als Grundschullehrerin hätte ich jetzt wahrscheinlich hektisch nach meinem Schal gesucht, um pünktlich zur ersten Stunde in der Schule zu sein. Heute, mit 58 und im Ruhestand, genieße ich einfach diesen Moment zwischen sieben und neun Uhr morgens.

Das Malen einer Winterlandschaft ist für uns Anfänger eine echte Mutprobe. Als ich im Oktober 2024 mein erstes Farbkästchen auf den Tisch stellte, dachte ich: ‘Schnee ist weiß, das Papier ist weiß – das ist doch die perfekte Ausrede, um gar nichts zu tun!’ Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. In den letzten Wochen, vom späten Dezember bis jetzt in den Februar hinein, habe ich gelernt, dass Schnee eigentlich alles ist – nur nicht einfach nur weiß. Er spiegelt den Himmel, er wirft lange, bläuliche Schatten, und er hat eine Struktur, die man fast spüren kann.

Das Geheimnis des weißen Papiers: Warum weniger oft mehr ist

In meinen 35 Jahren im Klassenzimmer habe ich gelernt, dass Struktur hilft. Beim Aquarellieren einer Schneelandschaft ist die wichtigste Lektion jedoch das Weglassen. Man nennt das wohl ‘Negative Painting’. Man malt nicht den Schnee selbst, sondern die Schatten und die Dinge, die um den Schnee herum liegen. An einem frostigen Sonntagmorgen im Januar saß ich hier und starrte auf mein Aquarellpapier. Ich benutze inzwischen meistens ein Papier mit einem Flächengewicht von 300 g/m², weil es sich nicht so schnell wellt, wenn man doch mal mit zu viel Wasser hantiert.

Nahaufnahme vom Malen blauer Schatten auf weißem Aquarellpapier für eine Schneelandschaft.

Es ist schon eine Umstellung. Wenn man Deutsch unterrichtet, füllt man die weißen Zeilen mit Tinte. Hier muss man die wichtigsten Stellen des Bildes – die leuchtenden Schneekuppen – einfach unberührt lassen. Das erfordert eine Disziplin, die ich mir erst mühsam antrainieren musste. Mein kleiner Enkel stand neulich daneben und fragte: ‘Oma, wann malst du den Berg?’ Dabei war der Berg schon da – er war das Weiß des Papiers, das ich vorsichtig umrandet hatte.

Die Farbwahl: Mit 12 Farben die ganze Winterwelt einfangen

In meinem Standard-Aquarellkasten befinden sich genau 12 Halbnäpfchen. Am Anfang dachte ich, das reicht nie aus, um die feinen Nuancen des Winters darzustellen. Aber eigentlich braucht man für den Schnee gar nicht viel. Mein treuester Begleiter bei der Winterlandschaft ist das Ultramarinblau. Wenn man es mit einem winzigen Klecks Umbra gebrannt mischt, erhält man ein wunderschönes, gebrochenes Blaugrau, das perfekt für die Schatten im Schnee ist.

Ich erinnere mich noch gut an Mitte Februar beim ersten Tauwetter, als ich versuchte, die nassen Stellen im Garten einzufangen. Da wurde mir klar, dass reines Schwarz im Aquarell oft viel zu hart wirkt. Diese sanften Schatten, die man mit der Mischung aus Blau und Braun erzeugt, sehen viel natürlicher aus. Manchmal hilft es auch, sich vorher anzuschauen, wie man den Himmel und Wolken malen kann, denn die Farbe des Himmels bestimmt maßgeblich, welche Töne sich im Schnee widerspiegeln.

Ein kleiner Unfall und die Rettung durch die Wolken

In Woche 18 meiner Aquarell-Reise passierte mir dann das, was jeder Anfänger fürchtet. Ich wollte einen zarten, hellblauen Himmel über meine Schneehügel legen. Mein Pinsel war viel zu nass, und bevor ich reagieren konnte, geschah es: Der Moment, als das zu nasse Blau des Himmels ungebremst in den mühsam weiß gelassenen Schneehügel lief und alles in ein verwaschenes Hellblau tauchte. Ich saß da, den Kaffee in der Hand, und wollte das Blatt schon zerknüllen.

Aquarellpalette mit 12 Farben und einer Mischung aus Blau und Braun für Schneeschatten.

Aber dann passierte etwas Spannendes. Ein missglückter Wasserfleck am Horizont verwandelte sich durch Zufall in eine täuschend echte Schneewolke. Ich habe einfach mit einem trockenen Küchentuch die überschüssige Farbe weggetupft, und plötzlich hatte das Bild eine Tiefe, die ich so gar nicht geplant hatte. Das hat mir die Angst vor Fehlern ein großes Stück genommen. Inzwischen weiß ich, dass man viele Aquarell Fehler korrigieren kann, wenn man ruhig bleibt und den Moment nutzt.

Mein Geheimtipp: Funkelnde Kristalle mit Gouache-Weiß

Hier kommt etwas, das mir Timothy90s Kurs so nicht direkt beigebracht hat, was ich aber für mich entdeckt habe. Überall liest man, man dürfe im Aquarell kein Deckweiß verwenden. ‘Das ist geschummelt’, sagen die Puristen. Aber wisst ihr was? Ich bin 58, ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Wenn das Bild getrocknet ist, nehme ich einen ganz feinen Pinsel und setze mit deckendem Gouache-Weiß kleine Punkte auf die Kanten der Schneehügel oder auf die Zweige der Tannen.

Diese winzigen Akzente lassen den Schnee erst richtig leuchten. Es wirkt, als würden die Eiskristalle im Morgenlicht funkeln. Wenn man auf hochwertigem Künstlerpapier aus 100 Prozent Baumwolle malt, nimmt die Oberfläche die Farbe ganz anders auf, aber diese kleinen weißen Highlights bleiben obenauf liegen und geben dem Bild den letzten Schliff. Es ist wie das Sahnehäubchen auf dem Kakao – es muss nicht sein, aber es macht alles ein bisschen schöner.

Das Sonntagsritual und der Blick auf das ungeschönte Ergebnis

Wenn die Uhr sich gegen neun neigt und die zweite Tasse Kaffee leer ist, kommt für mich der schönste Teil. Das Bild ist trocken und ich darf das Malerkrepp abziehen. Das leise, fast befriedigende Knistern, wenn das Malerkrepp langsam vom trockenen Papier abgezogen wird und eine saubere weiße Kante hinterlässt, ist für mich Entspannung pur. Es rahmt das kleine Chaos, das ich auf dem Blatt angerichtet habe, ein und macht daraus ein ‘richtiges’ Bild.

Fertiges Aquarellbild einer Winterlandschaft mit sauberem Rand und funkelnden Schneedetails.

Mein Wochenbild ist oft nicht perfekt. Manchmal ist das Gelb der Wintersonne zu grell geworden oder ein Baum sieht eher aus wie ein gerupftes Huhn. Aber das ist egal. Ich habe gelernt, dass Geduld mit sich selbst genauso wichtig ist wie die richtige Pinselhaltung. Wenn man erst einmal verstanden hat, warum gute Aquarellpinsel für Anfänger am Sonntagmorgen den Unterschied machen, fällt das Üben auch viel leichter, weil man nicht gegen das Material ankämpfen muss.

Der Winter in Würzburg mag bald vorbei sein, aber die Stille, die ich beim Malen dieser Landschaften gefunden habe, nehme ich mit in den Frühling. Vielleicht traue ich mich demnächst sogar an mein erstes Porträt, auch wenn Gesichter noch eine ganz andere Herausforderung sind. Aber wie ich immer zu meinen Schülern gesagt habe: Jeder fängt mal klein an, und der wichtigste Schritt ist, überhaupt den ersten Strich zu wagen.

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