Aquarell Sonntag

Kann man Menschen zeichnen lernen für Anfänger in nur wenigen Wochen?

Der Dampf meines Kaffees kräuselt sich in der kühlen Morgenluft, während ich am Küchentisch sitze und auf dieses eine, unberührte Blatt Papier starre. Es ist Sonntag, kurz nach sieben, und draußen über den Dächern von Würzburg liegt noch dieser ganz frühe, blaue Dunst. Seit ich im Juli 2024 die Grundschule verlassen habe, sind diese zwei Stunden am Sonntagvormittag mein Heiligtum – nur ich, das Wasserglas und meine Farben.

Bevor ich dir von meinem Ausflug in die Welt der Gesichter erzähle, ein kurzes Wort der Offenheit: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – dir entstehen keine Mehrkosten. Ich verlinke hier nur Kurse, die ich selbst bezahlt und mindestens einen Monat lang ausprobiert habe. Als pensionierte Lehrerin ist mir Ehrlichkeit wichtiger als jeder Klick.

Eigentlich fing alles mit meiner Tochter in Heidelberg an. Bei jedem Besuch nehme ich mir vor, sie mal kurz zu skizzieren, wenn sie am Esstisch sitzt und lernt. Aber jedes Mal endete es in Frust. Blumen und Bäume verzeihen einem viel, aber ein Auge, das zwei Millimeter zu tief sitzt, macht aus einem geliebten Gesicht plötzlich eine fremde Maske. Ich fragte mich: Kann man das eigentlich noch lernen, wenn man mit 58 Jahren eigentlich schon alles hinter sich zu haben glaubt? Oder braucht man dafür dieses mysteriöse Talent, von dem immer alle sprechen?

Der Plan: Zwölf Wochen gegen die Angst vor Gesichtern

Nachdem ich meinen Aquarell Online Kurs für 70 Dollar abgeschlossen hatte, fühlte ich mich mutig. Ich wollte mehr Struktur. Also investierte ich rund 120 Dollar in den Menschen Zeichnen Masterkurs. Der Kurs versprach eine klare 12-Wochen-Struktur. Ein System. Etwas, das mir als ehemalige Lehrerin für Sachunterricht eigentlich liegen müsste. Ich wollte weg von den groben Skizzen und hin zu echten Proportionen.

Aber schon in der ersten Woche kam die Ernüchterung. Da war dieses Geräusch: Das kratzige, fast klinische Schaben eines harten Graphitstifts auf der Körnung des Papiers. Es fühlte sich so völlig anders an als das lautlose Gleiten eines nassen Pinsels, an das ich mich so gewöhnt hatte. Mein Handgelenk war starr. Nach einer halben Stunde spürte ich diesen vertrauten Krampf im rechten Daumen – genau denselben, den ich früher immer hatte, wenn ich achtzig Deutsch-Aufsätze am Stück korrigiert habe.

Warum "schnell" beim Zeichnen manchmal langsam bedeutet

Ich habe in diesen Wochen etwas Wichtiges gelernt: Ja, man kann die Techniken in wenigen Wochen theoretisch begreifen. Man lernt, dass der menschliche Kopf etwa fünf Augenbreiten breit ist (ein wunderbarer Trick für den Anfang, den man bei Wikipedia unter dem Begriff Proportion nachlesen kann). Aber Theorie und Handwerk sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Mein erster Versuch eines Selbstporträts war... nun ja, sagen wir mal, lehrreich. Ich starrte auf das Papier und sah ein Gesicht, das eher wie eine schiefe Birne aussah als wie eine pensionierte Lehrerin. Ich dachte mir: "Renate, du hast Jahrzehnten lang Kindern erzählt, dass sie alles lernen können – jetzt beweise es dir selbst, auch wenn sich Lektion 3 gerade wie ungeliebte Hausaufgaben anfühlt."

Der Fokus auf reine Zeichentechniken, wie ihn viele Kurse versprechen, verkürzt zwar die Lernzeit auf dem Papier, führt aber oft dazu, dass man nur Symbole zeichnet, statt wirklich zu sehen. Ein Auge ist kein Mandel-Symbol, es ist eine Kugel in einer Höhle. Wenn man das nicht anatomisch versteht, sehen die Menschen auf den Bildern immer ein bisschen "flach" aus. Das ist der Punkt, an dem ich beim Masterkurs pausiert habe. Es war mir zu viel Anatomie-Pauken und zu wenig Freude am Strich.

Meine kleine Kurs-Auswahl für neugierige Anfänger

Falls du auch am Küchentisch sitzt und überlegst, womit du anfangen sollst, hier ist meine ganz persönliche Bilanz der letzten Monate:

Ein Fazit zwischen Kaffeetasse und Radiergummi

Kann man es also in wenigen Wochen lernen? Die Grundlagen – ja. Aber ein Mensch ist mehr als nur die Summe seiner Proportionen. Ich habe für mich entschieden, dass ich die Angst vor dem weißen Blatt lieber mit dem Pinsel besiege als mit dem harten Bleistift. Manchmal ist es im Ruhestand auch okay, eine Lektion zu pausieren, wenn sie sich nach Arbeit anfühlt statt nach Abenteuer.

Vielleicht ist das Geheimnis nicht, wie schnell wir etwas lernen, sondern wie sehr wir den Prozess genießen. Mein Enkel kam neulich vorbei, sah mein "Birnen-Gesicht" und sagte: "Oma, das sieht aus wie eine lustige Wolke!" Wir haben beide gelacht, und am Ende ist es genau das, was zählt. Wenn du auch erst einmal sanfter einsteigen willst, schau dir vielleicht meinen Weg mit den Aquarell-Blumen an – da darf das Gelb auch mal danebengehen.

Egal ob du dich für den großen Masterkurs entscheidest oder erst einmal nur kleine Skizzen im Zug machst: Fang einfach an. Die Stille im Haus ist viel schöner, wenn sie vom Kratzen eines Stifts oder dem Plätschern im Wasserglas begleitet wird.

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