
Das Fenster steht weit offen, und ein leichter Wind trägt den Duft von frisch gemähtem Gras aus den Würzburger Gärten herein. Es ist Sonntag, kurz nach sieben, und der Kaffee in meiner Lieblingstasse dampft noch. Seit ich im Juli 2024 das Klassenbuch gegen den Farbkasten getauscht habe, sind diese zwei Stunden am Morgen mein fester Anker. Heute vor mir: ein frisches Blatt Papier und die ewige Frage, ob ich dieses Mal das Gesicht meiner Tochter treffe oder ob es wieder eine 'lustige Wolke' wird, wie mein Enkel meine ersten Versuche nannte.
Bevor wir uns den Nasen und Ohren widmen, ein kurzes Wort unter uns: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – dir entstehen dadurch absolut keine Mehrkosten. Ich verlinke hier nur Dinge, die ich selbst mit meiner Pension bezahlt und über Monate hinweg am eigenen Küchentisch ausprobiert habe. Als ehemalige Lehrerin für Deutsch und Sachunterricht ist mir Ehrlichkeit wichtiger als jeder Klick – das bin ich meinem Berufsethos schuldig.
Der Traum vom Skizzenbuch in Heidelberg
Eigentlich fing alles mit den Fahrten nach Heidelberg an. Wenn ich meine Tochter besuche, sitzen wir oft stundenlang in ihrem Lieblingscafé. Sie lernt für ihr Examen, ich schaue aus dem Fenster. Ich wollte sie so gerne festhalten – diesen Moment der Konzentration. Aber jedes Mal, wenn ich den Stift ansetzte, passierte das Gleiche: Das Auge saß zu tief, die Nase wirkte wie ein Fremdkörper, und das ganze Gesicht sah eher aus wie eine zerknitterte Landkarte als wie meine Tochter.
Ich fragte mich: Kann man das mit 58 wirklich noch lernen? In einem Alter, in dem man eigentlich denkt, man hätte das 'Lernen' hinter sich? Ich wollte wissen, ob man wirklich nur ein paar Wochen braucht, wie es die Werbung oft verspricht, oder ob man dafür dieses mysteriöse 'Talent' braucht, das mir in der Schule immer gefehlt hat. Also habe ich mich im letzten Jahr durch verschiedene Ansätze probiert – von strenger Anatomie bis hin zum lockeren Skizzieren unterwegs.

Die 12-Wochen-Illusion und der harte Bleistift
Als strukturierter Mensch – 35 Jahre Schuldienst lassen sich nicht einfach abschütteln – suchte ich zuerst nach einem System. Ich investierte rund 120 Dollar in den Menschen Zeichnen Masterkurs. Er versprach eine klare Struktur über zwölf Wochen. Proportionen, Schatten, Anatomie. Ich dachte: 'Renate, das ist wie Sachunterricht, das kriegst du hin.'
Aber schon in der zweiten Woche merkte ich, dass Theorie und Gefühl zwei Paar Schuhe sind. Da war dieses kratzige Geräusch des Bleistifts auf dem Papier. Es erinnerte mich fatal an das Korrigieren von achtzig Deutsch-Aufsätzen an einem Wochenende. Mein Handgelenk wurde starr, und der vertraute Krampf im Daumen meldete sich zurück. Ich lernte zwar, dass ein Kopf etwa fünf Augenbreiten breit ist (ein Fakt, den man auch bei Wikipedia nachlesen kann), aber meine Zeichnungen blieben leblos. Sie sahen aus wie technische Baupläne von Menschen, nicht wie echte Personen.
Ich habe diesen Kurs nach Lektion 3 erst einmal pausiert. Nicht, weil er schlecht war – die Qualität ist hervorragend und die Refundrate von nur 1,1 % zeigt, dass viele damit glücklich werden. Aber für mich fühlte es sich nach Arbeit an, nicht nach dem Abenteuer, das ich suchte. Wenn du jedoch absolute Disziplin mitbringst und Menschen von der Pike auf verstehen willst, ist der Masterkurs sicher der richtige Weg. Für mich war er in diesem Moment einfach zu 'bleistiftlastig'.
Warum Aquarell für meine 58-jährigen Hände der bessere Weg ist
Nach dem Ausflug in die graue Welt der Graphitstifte kehrte ich zu meinen Farben zurück. Ich merkte, dass ich über den Umweg der Farbe viel mehr über Gesichter lerne als durch reines Konstruieren. Beim Aquarell darf das Wasser fließen, und wenn eine Wange etwas zu rot wird, dann ist das eben künstlerische Freiheit und kein anatomischer Fehler. Ich habe gelernt, charakteristische Gesichter mit Aquarell zu malen, was sich für mich viel natürlicher anfühlt.

Mein täglicher Begleiter wurde der Aquarell Online Kurs. Die Lektionen sind kurz, verständlich und lassen Raum für Fehler. Das ist genau das, was ich im Ruhestand brauche: keinen Leistungsdruck mehr. Ich habe dort gelernt, dass man die Angst vor dem weißen Blatt am besten besiegt, indem man einfach einen nassen Klecks Farbe setzt. Manchmal schaue ich mir auch meine alten Notizen an, wie ich damals die Angst vor dem weißen Blatt überwunden habe – das hilft mir heute noch, wenn ich vor einem Porträt zurückschrecke.
Meine kleine Kurs-Bilanz für dich
Falls du auch am Küchentisch sitzt und überlegst, welchen Weg du gehen sollst, habe ich hier meine Erfahrungen der letzten Monate zusammengefasst. Ich habe auf die Details geachtet, die mir als Rentnerin wichtig sind: Preis-Leistung, Frustfaktor und wie viel Freude es im Alltag macht.

Kann man es also in wenigen Wochen lernen?
Die ehrliche Antwort meiner Erfahrung nach: Du kannst in wenigen Wochen die Regeln lernen. Du verstehst, wo die Augen sitzen und wie man eine Nase schattiert. Aber ein Gesicht 'einfangen', so dass man die Person wirklich erkennt? Das braucht Geduld. Und genau diese Geduld müssen wir mit uns selbst erst wieder lernen. Wir waren Jahrzehnte lang Profis in unseren Berufen – jetzt wieder Anfänger zu sein, ist eine Übung in Demut.
Letzten Monat in Heidelberg habe ich es wieder gewagt. Ich saß im ICE und habe mit meinem Skizzen Video-Kurs auf dem Tablet ein paar schnelle Striche geübt. Später im Café habe ich meine Tochter skizziert. Es war nicht perfekt. Die Nase war immer noch ein bisschen zu lang. Aber als sie aufsah und lächelte, sagte sie: 'Mama, das sieht aus, als hättest du mich wirklich beobachtet.' Das war mehr wert als jede perfekte Proportion.
Vielleicht ist das Geheimnis nicht die Geschwindigkeit. Es ist egal, ob du zwölf Wochen oder zwei Jahre brauchst. Wichtig ist, dass der Sonntagvormittag nicht mehr still ist, sondern vom Plätschern des Wasserglases erfüllt wird. Wenn du auch erst einmal die Grundlagen der Farbe spüren willst, bevor du dich an die schwere Anatomie wagst, schau dir meinen liebsten Sonntagskurs an. Er verzeiht vieles, was ein harter Bleistift gnadenlos bestraft.
Fang einfach an. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Bild, über das dein Enkel lacht – und ist ein gemeinsames Lachen nicht eigentlich das schönste Ergebnis jeder Kunst?