
Ein Gesicht mit dem Bleistift zu konstruieren und dasselbe Gesicht mit Farbe einzufangen sind zwei ganz verschiedene Handwerke, auch wenn beides „Menschen zeichnen" heißt. Wer im Ruhestand nach einem Hobby sucht und sich fragt, ob sich das Zeichnen lernen mit fast sechzig noch lohnt: Es lohnt sich. Die Regeln sitzen schnell, das echte Ähnlichwerden braucht Geduld. Und für Hände, die keine Kunstschule hinter sich haben, ist der Weg über die Farbe oft die freundlichere Tür, genau deshalb bin ich als Aquarell-Anfängerin bei den Gesichtern gelandet.
Vorweg gehört eine offene Sache hierher: Auf dieser Seite stehen Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, und für dich wird nichts teurer. Verlinkt wird nur, was ich von meiner Rente selbst bezahlt und über Monate am eigenen Tisch ausprobiert habe, als frühere Lehrerin für Deutsch und Sachunterricht ist mir ein ehrliches Wort wichtiger als ein schneller Klick.
Zwei Türen zum Gesicht: Bleistift oder Farbe
Als ich anfing, Gesichter zu üben, gab es für mich grob zwei Richtungen. Die eine ist das strenge Konstruieren nach Anatomie und Hilfslinien. Die andere ist das lockere Skizzieren unterwegs, bei dem ein paar schnelle Striche eine Person andeuten, ohne dass gleich alles stimmen muss. Beide führen zum Ziel, nur über sehr unterschiedliches Gelände.
Den systematischen Weg habe ich zuerst ausprobiert, weil fünfunddreißig Jahre Schuldienst einen Hang zur Ordnung hinterlassen. Der Menschen Zeichnen Masterkurs von DrawTut verspricht genau das: eine klare Struktur über zwölf Wochen, Proportionen, Schatten und Aufbau. Für einen ordnungsliebenden Kopf klingt das verlockend.
Die Grundregeln der Proportion lassen sich in so einem Kurs sauber nachschlagen, und man findet sie auch anderswo. Nur: Die Regeln zu kennen ist etwas anderes, als ein Gesicht so zu treffen, dass jemand die Person darin wiedererkennt. Meine ersten Blätter sahen aus wie technische Baupläne, korrekt vielleicht, aber ohne Leben.

Der systematische Weg fordert mehr Geduld, als ich mitbrachte
Schon nach den ersten Lektionen spürte ich, dass Theorie und Gefühl zwei Paar Schuhe sind. Das Kratzen der Mine übers Papier erinnerte mich an das Korrigieren von achtzig Aufsätzen an einem Wochenende, und das Handgelenk wurde steif. Der Menschen Zeichnen Masterkurs ist deshalb nicht schlechter, im Gegenteil, er läuft bei DrawTut seit über vier Jahren und führt diszipliniert durch Anatomie und Aufbau. Für einen Kopf, der Struktur liebt, ist er der richtige. Für meine Neugier war er der strengere und teurere Startpunkt, und ich habe ihn erst einmal ruhen lassen.
Wer den Bleistift dennoch behutsam antesten möchte, findet bei DrawTut auch einen günstigen Zeichnen Lernen Kurs, der schon seit über sechs Jahren läuft, ein sanfter Einstieg in Strich und Schraffur, aber eben grau in grau, ohne Farbe. Für mich war Grafit am Ende schlicht nicht die richtige Tür, so behutsam der Anfang auch war.
Warum fällt Anfängerhänden die Farbe oft leichter?
Farbe verzeiht die unsichere Hand, und meine ist alles andere als ruhig. Vor den Pinseln habe ich es mit Stricken nach YouTube-Videos versucht, doch bei jeder zweiten Reihe rutschten mir die Maschen von der Nadel, bis das Knäuel wieder im Schrank lag. Läuft dagegen beim Malen eine Wange zu rot, ist das eher künstlerische Freiheit als ein Fehler, den ein strenges Auge sofort abstraft. Über diesen Umweg lerne ich mehr über Gesichter als über reines Vermessen, und so male ich inzwischen lieber charakteristische Gesichter mit Aquarell, als sie mit dem Lineal zu prüfen.

Mein verlässlichster Begleiter am Vormittag ist der Aquarell Online Kurs von Timothy90. Die Lektionen sind kurz genug für einen ruhigen Sonntag und lassen Raum für Fehler, was mir jeden Leistungsdruck nimmt. Im Kursforum hat Walpurga Kiefer die gleichen Lektionen ungefähr zeitgleich mit mir begonnen, und ihre sachlichen Anmerkungen zu jeder Übung waren mir oft nützlicher als das Video selbst. Dort habe ich auch gelernt, die Angst vor dem leeren Blatt mit einem feuchten Klecks zu übermalen, wie ich das am Anfang überwunden habe, steht in meinen alten Notizen. Man setzt den Fleck, wartet und sieht zu, wie sich die Farbe von selbst ins Feuchte zieht, ganz ohne Zutun der zittrigen Hand.
Meine ehrliche Kurs-Bilanz für dich
Sitzt du am Küchentisch und überlegst, welchen Weg du nimmst, hier meine nüchterne Bilanz nach zwei Jahren. Für den reinen Bleistift-Einstieg gibt es bei DrawTut den günstigen, langjährigen Zeichnen Lernen Kurs, sanft, aber grau in grau. Der Portraitkurs desselben Anbieters führt streng und gründlich durch die Anatomie, kostet dafür mehr Geduld und mehr Geld. Der Aquarellweg von Timothy90 wiederum verlangt etwas Extrageld für Pinsel, Papier und Farben, schenkt dafür aber genau die Leichtigkeit, die ich im Ruhestand gesucht habe. Wählst du nach Freude statt nach Ehrgeiz, führt für unruhige Anfängerhände fast immer die Farbe.

Kann man Menschen zeichnen in ein paar Wochen lernen?
Die ehrliche Antwort aus meiner Erfahrung: Die Regeln lernst du in wenigen Wochen. Wo die Augen ungefähr sitzen, wie ein Schatten eine Wange rund erscheinen lässt, das ist schnell verstanden. Ein Gesicht aber so einzufangen, dass man den Menschen darin erkennt, das braucht Geduld mit sich selbst. Jahrzehnte waren wir Fachfrauen in unserem Beruf; wieder Anfängerin zu sein, ist eine kleine Übung in Demut.
Ein kleiner Prüfstein hilft mir mehr als jede Regel: Ich lege das Blatt weg, schaue einen Moment aus dem Fenster und sehe dann wieder hin. Erkenne ich die Person im ersten Augenblick, stimmt das Bild, selbst wenn die Nase zu lang geraten ist. Auf den Fahrten nach Heidelberg nehme ich mir dafür den Skizzen Video-Kurs vor: kurze Impulse zwischen zwei Bahnhöfen, danach ein paar Striche ins Skizzenheft, ganz ohne Anspruch.
Neulich hielt meine Nachbarin im Treppenhaus eines meiner getrockneten Blätter gegen das Licht und sagte sofort, das sei doch die alte Kastanie aus dem Botanischen Garten der Universität Würzburg, dabei hatte ich nur ein paar Grüntöne ineinanderlaufen lassen. Dass jemand den Baum ohne einen einzigen Hinweis wiedererkennt, sagt mir mehr als jede korrekt vermessene Proportion.
Vielleicht liegt das Geheimnis gar nicht in der Geschwindigkeit, sondern darin, dass der Sonntagvormittag nicht mehr still bleibt. Willst du zuerst das Gefühl für Farbe finden, bevor du dich an die strenge Anatomie wagst, dann beginne mit dem verzeihenden Weg. Mein Sonntagskurs nimmt dir vieles ab, was ein harter Bleistift gnadenlos bestraft. Fang einfach an. Das Schlimmste, was passieren kann, ist ein Bild, über das dein Enkel lacht. Und ist ein gemeinsames Lachen nicht das schönste Ergebnis, das Kunst haben kann?