Aquarell Sonntag

Charakteristische Gesichter malen mit Aquarell: Mein Weg zum ersten Porträt

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An einem kühlen Sonntagmorgen im Spätherbst, als der Nebel noch schwer über den Würzburger Weinbergen hing, saß ich mit meiner zweiten Tasse Kaffee am Küchentisch. Das Fenster war einen Spalt weit offen, und der Duft von feuchter Erde vermischte sich mit dem Röstaroma meines Frühstücks. Vor mir lag ein Foto meiner Tochter, das ich im Sommer in Heidelberg gemacht hatte. Sie lachte darauf so unbeschwert, dass ich plötzlich diesen intensiven Wunsch spürte: Ich wollte nicht mehr nur die Bäume im Park malen oder meine üblichen Tulpen. Ich wollte dieses Lächeln festhalten. Doch die Angst, ihr Gesicht auf dem Papier zu entstellen, war in diesem Moment fast so groß wie meine Sehnsucht.

Bevor ich euch von meinem ersten richtigen Versuch erzähle, ein kleiner Hinweis: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision — dir entstehen dabei keine Mehrkosten. Ich verlinke hier nur Kurse, die ich selbst bezahlt und über Monate hinweg ausprobiert habe. Das ist mir wichtig, schließlich sitzen wir hier quasi zusammen am Kaffeetisch, und da ist Ehrlichkeit die Basis.

Warum Bleistift bei mir in der Schublade landete

Eigentlich fing alles mit dem klassischen Zeichnen an. Ich dachte, wer Gesichter malen will, muss erst einmal perfekt mit dem Bleistift umgehen können. Also habe ich mir den Zeichnen Lernen Kurs vorgenommen. Aber schon nach drei Lektionen habe ich ihn pausiert. Warum? Die harten Linien und das ständige Radieren fühlten sich für mich einfach falsch an. In der Grundschule habe ich meinen Kindern immer gesagt: „Habt Geduld mit eurem Strich“, aber bei mir selbst war ich unerbittlich. Der Bleistift verzieh mir nichts, und meine Hand wirkte auf dem Papier viel verkrampfter, als sie es beim Malen je war.

Ich merkte schnell, dass ich die Weichheit brauchte, die nur das Wasser bietet. In meinem Aquarell Online Kurs bei Timothy90 hatte ich gelernt, wie man Farben fließen lässt. Dieses Fließen wollte ich auf Gesichter übertragen. Ich wollte keine anatomische Zeichnung wie aus einem medizinischen Lehrbuch, sondern das „Wesen“ eines Menschen einfangen. Also tauschte ich den harten Grafit gegen meine geliebten Pinsel aus. Manchmal muss man eben einen Umweg machen, um zu merken, dass das Ziel eigentlich ganz woanders liegt.

Der Sprung ins kalte Wasser: Die erste Lasur

Das leise Kratzen des Pinsels auf dem grobkörnigen Papier ist für mich inzwischen das schönste Geräusch der Woche. Für meine Porträtversuche nehme ich grundsätzlich Papier mit einem Flächengewicht von 300 g/m². Das ist wichtig, weil ich viel mit Wasser arbeite und nichts frustrierender ist, als wenn sich das Blatt wie eine Berglandschaft wellt, bevor die Nase überhaupt fertig ist. Welches Aquarellpapier für Anfänger wirklich geeignet ist, habe ich ja schon mal ausführlich beschrieben – für Gesichter ist diese Stabilität einfach unerlässlich.

An jenem Morgen im November startete ich mit der ersten Lasur für die Hauttöne. Ich mischte Ocker mit einem Hauch von Kadmiumrot und viel, viel Wasser. Es war ein fast magischer Moment, als die erste Farbe das Papier berührte. Meine Schultern, die ich vor lauter Konzentration hochgezogen hatte, sanken spürbar nach unten, als die Lasur genau dort blieb, wo ich sie haben wollte. Es ist dieser Augenblick, in dem die Anspannung der Freude weicht.

Nahaufnahme einer Hand, die eine erste zarte Farblasur auf hochwertiges Aquarellpapier aufträgt.

Wenn die Finger zittern: Porträtmalen mit 58

Ich muss hier mal etwas ansprechen, was in den meisten Hochglanz-Anleitungen ignoriert wird. Mit 58 sind meine Hände nicht mehr so ruhig wie mit 20. Wenn es um die feinen Details geht, etwa die Iris oder die Mundwinkel, merke ich manchmal ein leichtes Zittern. Früher hätte mich das wahnsinnig gemacht, heute sehe ich es als Teil meines „Stils“. Aber ich habe einen Trick gelernt, der mir hilft, trotzdem kontrollierte Linien zu setzen.

Anstatt den Pinsel frei in der Luft zu führen, stütze ich mein rechtes Handgelenk mit der linken Hand oder lege den kleinen Finger der Malhand vorsichtig auf eine trockene Stelle des Papiers (oder ein sauberes Tuch). Diese zusätzliche Stütze gibt mir die nötige Sicherheit. Es ist ein bisschen wie beim Unterrichten früher: Manchmal braucht man einfach ein Geländer, an dem man sich festhalten kann. Wer ähnliche Schwierigkeiten hat, dem kann ich nur raten: Sucht euch diese Stützpunkte. Aquarell ist zwar ein Medium des Loslassens, aber bei einem Auge darf man ruhig mal ein bisschen „schummeln“ und die Hand fixieren.

Das Geheimnis der Mitte: Warum Augen nicht oben am Kopf sitzen

Anfang März hatte ich eine kleine Erleuchtung. Ich hatte bis dahin immer das Gefühl, dass meine Gesichter irgendwie „falsch“ aussahen, fast wie Aliens. Dann erinnerte ich mich an eine anatomische Grundregel, die ich in einem der Videos aufgeschnappt hatte: Die Augenlinie teilt den menschlichen Kopf vertikal fast genau in der Mitte. Das ist die 1/2-Proportion. Als Anfänger neigt man dazu, die Stirn viel zu kurz zu malen und die Augen zu weit nach oben zu setzen.

Ich nahm mir mein Lineal – ja, die alte Lehrerin in mir braucht manchmal Millimeter – und maß nach. Tatsächlich! Seit ich darauf achte, sehen meine Porträts plötzlich wie Menschen aus. Es ist faszinierend, dass so eine kleine mathematische Regel so viel bewirken kann. Falls du dich fragst: Kann man Menschen zeichnen lernen, wenn man eigentlich gar kein Talent für Proportionen hat? Ja, man kann es. Man muss nur wissen, wo man messen muss.

Eine Hand stützt die andere beim Malen der feinen Details eines Auges im Aquarell-Porträt.

Das Schnurrbart-Desaster und was ich daraus lernte

Natürlich läuft am Sonntagmorgen zwischen 7 und 9 Uhr nicht immer alles glatt. Zwischen den Jahren, als es draußen so richtig ungemütlich war, passierte mir mein bisher größtes Malheur. Ich wollte die Schatten unter der Nase meiner Tochter setzen. Ich nahm ein dunkles Umbra, aber mein Pinsel war viel zu nass.

Ein unachtsamer Moment, ein kleiner Stoß gegen das Wasserglas, und die dunkle Farbe lief unkontrolliert über die Oberlippe. Mein Porträt sah plötzlich aus, als hätte meine Tochter einen stattlichen Schnurrbart. Ich musste so lachen, dass ich fast den restlichen Kaffee über das Bild verschüttet hätte. Mein Enkel, der später zu Besuch kam, fragte nur trocken: „Oma, warum hat die Tante einen Bart?“

Früher hätte ich das Blatt zerrissen. Heute tupfe ich es vorsichtig mit einem Küchentuch ab und warte, bis es trocken ist. Aquarell verzeiht viel mehr, als man denkt, wenn man ihm Zeit gibt. Man kann vieles mit einer neuen Lasur „retten“ oder – wie in diesem Fall – einfach darüber lachen und von vorne anfangen. Meine Erfahrungen mit der Nass-in-Nass Technik haben mir gezeigt, dass das Wasser oft seinen eigenen Kopf hat. Man muss lernen, mit ihm zu tanzen, statt es beherrschen zu wollen.

Mein Sonntagsritual: Ein Blick in die Zukunft

Letztes Wochenende habe ich es dann geschafft. Das Bild meiner Tochter ist fertig geworden. Es ist nicht perfekt – die Nase ist ein bisschen zu breit und der linke Mundwinkel ist etwas zittrig – aber das Leuchten in ihren Augen habe ich eingefangen. Es hängt jetzt mit einem Magneten am Kühlschrank, und jedes Mal, wenn ich mir ein Glas Wasser hole, lächelt sie mich an.

Ich bin froh, dass ich drangeblieben bin. Der Aquarell Online Kurs ist nun schon seit über 4 Jahren am Markt, und bei einer Refundrate von nur 0,6 % scheint es vielen so zu gehen wie mir: Man bleibt einfach dabei, weil es Freude macht. Wer sich allerdings wirklich systematisch und mit mehr Disziplin an das Thema Mensch wagen will, für den könnte der Menschen Zeichnen Masterkurs interessant sein. Ich persönlich habe ihn erst einmal pausiert, weil mir das Tempo als Anfängerin mit 58 etwas zu hoch war, aber die Struktur ist hervorragend für alle, die es genau wissen wollen.

Für meine Fahrten nach Heidelberg habe ich mir übrigens neulich den Skizzen Video-Kurs gegönnt. Der passt wunderbar in die Zeit zwischen zwei Bahnhöfen und gibt mir kleine Impulse, ohne dass ich ein ganzes Atelier mitschleppen muss.

Nächsten Sonntag werde ich mich an ein Selbstporträt wagen. Das wird eine Herausforderung für mein Ego, all die kleinen Fältchen um die Augen nicht wegzulassen, sondern als Teil meiner Geschichte zu malen. Aber genau das ist es ja, was Aquarell so schön macht: Es zeigt das Leben, wie es ist – mit all seinen Wasserflecken und unperfekten Linien. Habt eine schöne Woche und traut euch ruhig mal an ein Gesicht heran. Es beißt nicht, es bekommt höchstens mal einen Schnurrbart.

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