Aquarell Sonntag

Bäume malen mit Aquarell für Anfänger: Meine Versuche am Sonntagmorgen

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Sieben misslungene Baumkronen liegen an manchen Vormittagen neben mir, bevor eine einzige aussieht, als könnte ein Vogel darin landen. Und trotzdem höre ich von fast jeder, die mit Aquarell für Anfänger liebäugelt, denselben Satz: „Ich kann doch gar nicht richtig zeichnen — wie soll ich da einen Baum hinbekommen?“ Genau hier steckt der Denkfehler. Bäume malen hat mit sauberem Vorzeichnen kaum etwas zu tun. Ein Baum auf nassem Papier ist keine Umrisslinie, die man brav ausmalt, sondern eine Masse aus Licht und Schatten — und die entsteht mit dem Pinsel, nicht mit dem Bleistift.

Vielleicht kennst du das Bild vor dem inneren Auge: eine stolze alte Eiche, und der Gedanke „das bisschen Grün und Braun bekomme ich hin“. Am Küchentisch wird daraus dann ein grüner Lutscher auf einem braunen Stiel. Das liegt nicht an fehlendem Talent. Es liegt fast immer an drei zähen Irrtümern, die Anfängerinnen sich gegenseitig weitererzählen. Räumen wir sie der Reihe nach weg.

Zeichnen ist keine Voraussetzung für das Bäume malen

Nein. Und das sage ich als jemand, dem der Bleistift noch nie so recht gehorcht hat. Den Zeichenkurs von DrawTuts habe ich nach der dritten Lektion liegen lassen. Der Stift hat sich in meiner Hand nie richtig angefühlt, zu hart, zu zaghaft, ich weiß es bis heute nicht genau. Trotzdem entstehen sonntags Bäume auf meinem Papier, die andere wiedererkennen. Weil ein Aquarellbaum eben nicht aus Linien besteht.

Statt vorzuzeichnen, lade ich den Pinsel gut mit Farbe und setze die Krone als eine einzige weiche Form aufs Papier. Kein Umriss, keine Bleistiftgrenze, an die ich mich klammern könnte. Das fühlt sich am Anfang falsch an, fast schludrig. Aber genau diese Freiheit macht den Baum lebendig. Wer nie sauber zeichnen gelernt hat, ist hier sogar im Vorteil — man hängt an keiner Linie fest.

Ein Baum ist nie nur grün

Saftgrün aus der Tube war lange meine feste Vorstellung von einem Baum. Das Ergebnis sah aus wie Deko aus einer Modelleisenbahn. Flach, tot, ohne Atem. Der zweite Irrtum steckt also im Farbkasten: dass es die eine richtige grüne Farbe gäbe.

Vor dem ersten Strich schaue ich mir lieber einen echten Baum an, drüben im Hofgarten der Residenz Würzburg. Die Schattenseite ist gar nicht hell, eher ein schmutziges Blau, fast Violett. Wo die Morgensonne durch die Blätter fällt, blitzt ein warmes Gelb auf. Diese Töne rühre ich mir nach und nach zusammen, statt sie fertig aus der Tube zu nehmen. Wer sehen will, wie ich das mache, findet bei mir aufgeschrieben, wie man natürliche Grüntöne mit Aquarellfarben für Anfänger richtig mischen lernen kann.

Reines Grün wirkt am Ende leblos, weil Aquarell gerade von diesem Ineinanderlaufen lebt. Lass ein Ultramarinblau in ein warmes Gelb kriechen und schau zu, was passiert. Das ist der Moment, in dem aus Farbe ein Baum wird.

Aquarell-Mischpalette mit selbst gemischten natürlichen Grüntönen zum Bäume malen für Anfänger

Bäume malen: Massen sehen statt Blätter zählen

Der hartnäckigste Irrtum ist der Wunsch, jedes Blatt einzeln zu malen. Die alte Lehrerin in mir wollte immer alles ordentlich haben, Blatt für Blatt, wie Namen in einer Liste. So wird eine Krone aber nur zu einem Haufen Punkte. Ein Baum ist eine Masse: hell oben, dunkel innen, mit Lücken, durch die der Himmel schaut. Diese Aquarelltechnik — erst die Masse, dann das Detail — klingt simpel und ist doch der eigentliche Sprung beim Bäume malen.

So gehe ich stattdessen vor: zuerst eine große, wässrige Fläche für die ganze Krone, in einem Rutsch. Auf feuchtem Papier, nass in nass, laufen die Ränder weich ineinander, statt hart und steif zu werden, wie Baumkronen sonst so oft aussehen. Ein paar weiße Stellen lasse ich bewusst frei — Lichtlöcher, nenne ich sie. Erst wenn diese erste Schicht fast trocken ist, setze ich innen die dunklen Schatten.

Ganz am Schluss kommen zwei, drei Äste dazu, kein vollständiges Geäst. Der feine Schlepperpinsel zieht die dünnen, tanzenden Zweige einer Birke in einem einzigen ruhigen Zug — nichts wackelt, die Linie sitzt. Mit meinen alten Schulpinseln wäre das nie gelungen; inzwischen weiß ich, warum gute Aquarellpinsel für Anfänger am Sonntagmorgen den Unterschied machen. Das Werkzeug führt die Hand, nicht umgekehrt.

Feiner Schlepperpinsel zieht dünne Äste einer Birke — Aquarelltechnik zum Bäume malen für Anfänger

Wenn sich das Papier wellt

Manchmal liegt es nicht an dir, sondern am Papier. Auf einem dünnen Block wellt sich alles, sobald es nass wird, und die Farbe sammelt sich in Pfützen. Ein schwererer Bogen mit 300 Gramm bleibt dagegen flach liegen; unter den Fingerkuppen spüre ich seine raue Körnung, wenn ich ihn vor dem Malen glattstreiche. Wenn dich Wellen im Bild stören, lohnt sich ein Blick darauf, welches Aquarellpapier für Anfänger ist für den Start wirklich geeignet.

Diesen Sonntag ging mir trotzdem eine Krone daneben. Ich hatte zu lange gezögert, die erste Fläche war schon trocken, als ich die Schatten setzen wollte — der Baum sah am Ende aus wie aus Pappe geschnitten, steif und flach. Genau der Fehler, vor dem ich hier warne, und er passiert mir selbst noch. Trudel, meine Schulfreundin aus München, schickte per WhatsApp nur ein Wort zurück: „Brokkoli.“ Höflichkeit ist nicht ihre Sache, und meistens hat sie recht.

Helwig von nebenan schaute an dem Vormittag kurz herein, wie sie es sonntags manchmal tut, ohne selbst zum Pinsel zu greifen. Sie fand den Brokkoli-Baum gar nicht so schlimm. „Der nächste wird besser“, sagte sie, und damit hatte sie den ganzen Trick benannt: Es gibt keinen misslungenen Baum, nur einen, aus dem man für den nächsten lernt.

Wenn heute vor dir ein Baum entstehen soll, der einfach nicht will: leg den Bleistift weg. Schau dir an, welche Farben wirklich in der Krone stecken. Setz die Masse zuerst, lass ein paar Lichtlöcher frei, und deute die Äste erst zum Schluss an. Die Bäume da draußen sind auch nicht symmetrisch — krumme Stämme, abgebrochene Äste, und gerade deshalb schön. Dass ein Motiv noch viel störrischer sein kann, merke ich immer dann, wenn ich versuche, charakteristische Gesichter zu malen — ein Weg, der noch steiniger ist als der zu einer ordentlichen Krone. Der Baum aber gelingt dir früher, als du denkst. Fang einfach an.

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