Aquarell Sonntag

Bäume malen mit Aquarell für Anfänger: Meine Versuche am Sonntagmorgen

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Das leise Zischen der Kaffeemaschine ist heute das einzige Geräusch in meiner Würzburger Küche. Es ist früh an diesem Sonntagmorgen im Juni, die Luft, die durch das weit geöffnete Fenster hereinströmt, riecht nach feuchtem Asphalt und dem Jasmin aus dem Nachbargarten. Vor mir liegt ein Bogen Papier, noch unberührt, und daneben mein Aquarellkasten, der inzwischen deutlich mehr Gebrauchsspuren zeigt als noch im letzten Jahr. Ich bin jetzt in Woche 88 meiner kleinen Malreise, die im Oktober 2024 an genau diesem Tisch begann. Heute möchte ich mich wieder einmal den Bäumen widmen – jenen Riesen, die mich bei meinen Spaziergängen am Main immer so demütig werden lassen.

Vielleicht kennst du das Gefühl auch: Man betrachtet eine stolze alte Eiche oder eine zierliche Birke und denkt sich: „Ach, das bisschen Grün und Braun bekomme ich doch hin.“ Schließlich habe ich 35 Jahre lang als Grundschullehrerin gearbeitet und hunderte Male an die Tafel gezeichnet, wie ein Baum aussieht. Aber die Realität am Küchentisch sieht oft anders aus. Da wird aus der stolzen Eiche schnell ein grüner Lutscher auf einem braunen Stiel. Es ist ein Prozess, das Loslassen zu lernen – nicht nur von der Schule und dem festen Stundenplan, sondern auch von der Vorstellung, dass jeder Ast und jedes Blatt exakt dort sein muss, wo der Verstand es vermutet.

Das Rätsel der Farbe: Warum Bäume selten einfach nur grün sind

In meinen ersten Monaten war ich fest davon überzeugt, dass man für Bäume einfach die Tube mit der Aufschrift „Saftgrün“ nimmt. Das Ergebnis war deprimierend. Meine Bäume sahen aus wie Plastikdekorationen aus einer Modelleisenbahn-Anlage. Es fehlte ihnen das Leben, das Atmen, diese Tiefe, die man nur sieht, wenn man wirklich hinschaut. Ich saß hier an einem Sonntag im späten Frühjahr und starrte auf meine misslungene Tanne, während meine Nachbarin im Treppenhaus lautstark ihren Hund begrüßte. Da wurde mir klar: Natur ist niemals einfarbig.

Ich habe gelernt, dass das Geheimnis in der Mischung liegt. Ein Baum im Schatten braucht kein helles Grün, sondern fast ein schmutziges Blau oder Violett. Wenn die Morgensonne durch die Blätter bricht, ist da plötzlich ein leuchtendes Gelb im Spiel. Inzwischen mische ich meine Farben fast nur noch selbst auf dem Deckel meines Kastens. Wer wie ich am Anfang steht, sollte sich trauen, ein tiefes Ultramarinblau in ein warmes Goldgelb laufen zu lassen. Es ist jedes Mal ein kleiner magischer Moment, wenn daraus ein Waldgrün entsteht, das wirklich nach Wald aussieht. Falls du dich fragst, wie man diese Töne bändigt, habe ich meine Erfahrungen dazu aufgeschrieben, wie man natürliche Grüntöne mit Aquarellfarben für Anfänger richtig mischen lernen kann.

Nahaufnahme einer Aquarell-Mischpalette mit verschiedenen natürlichen Grüntönen für das Malen von Bäumen.

Vom Lutscher zum Lebewesen: Die Struktur der Baumkrone

Mein größter Fehler war lange Zeit der Versuch, jedes Blatt einzeln zu malen. Die alte Lehrerin in mir wollte alles ordentlich dokumentieren, Blatt für Blatt, Note für Note. Aber Aquarell verzeiht zu viel Ordnung nicht. Ein Baum ist eine Masse aus Licht und Schatten, keine Sammlung von Einzelteilen. Mein Enkel war neulich zu Besuch, sah sich eines meiner Bilder an und sagte ganz trocken: „Oma, warum hat der Baum so viele Punkte?“ Er hatte recht – es sah unnatürlich aus.

Heute arbeite ich anders. Ich fange mit großen, wässrigen Farbflächen an. Ich lasse die Farbe fließen und beobachte, wie sie sich auf dem Papier ihren eigenen Weg sucht. Erst wenn die erste Schicht fast trocken ist, setze ich dunklere Akzente für die Tiefe im Inneren der Krone. Dabei lasse ich oft kleine weiße Stellen frei – „Lichtblicke“, nenne ich sie. Sie lassen den Baum atmen. Es ist ein bisschen wie in meinem neuen Alltag ohne Schule: Man muss nicht jede Lücke füllen, um ein schönes Gesamtbild zu erhalten. Manchmal ist das, was man weglässt, wichtiger als das, was man malt.

Das Werkzeug: Wenn der Pinsel die Arbeit übernimmt

Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich einfach nur mehr Übung brauche, wenn meine Äste wie klobige Balken aussahmen. Aber irgendwann, es muss wohl an einem verregneten Sonntag im letzten November gewesen sein, habe ich gemerkt, dass meine alten Schulpinsel einfach nicht für diese feinen, tanzenden Linien einer Birke gemacht sind. Es gibt einen Moment, in dem man als Anfängerin verstehen muss, dass gutes Material kein Luxus ist, sondern Frust verhindert.

Besonders bei den feinen Verzweigungen im oberen Teil der Krone hat mir ein spezieller Pinsel geholfen, der fast so lange Haare hat wie ein kleiner Besen. Er führt die Hand fast von selbst zu diesen unregelmäßigen, natürlichen Schwüngen, die man mit dem Bleistift nie so hinbekäme. Ich erinnere mich, wie ich anfangs zögerte, Geld für Zubehör auszugeben – ich bin ja keine Profi-Malerin, sondern nur eine Frau im Ruhestand mit einem neuen Hobby. Aber ich habe gelernt, warum gute Aquarellpinsel für Anfänger am Sonntagmorgen den Unterschied machen, weil sie einem das Gefühl geben, dass die Farbe wirklich das tut, was man sich im Kopf vorstellt.

Ein feiner Schlepperpinsel malt dünne Äste auf einem Aquarellpapier mit grünem Hintergrund.

Papier ist geduldiger als die Malerin

Ein weiteres Aha-Erlebnis war das Papier. In den ersten Wochen habe ich auf einem günstigen Block aus dem Schreibwarenladen gemalt. Sobald ich versuchte, die nassen, fließenden Übergänge für eine Baumkrone zu gestalten, bog sich das Papier wie eine alte Schuhsohle. Die Farbe sammelte sich in Pfützen und am Ende sah alles nur noch matschig aus. Ich dachte, ich wäre einfach unfähig, dabei war es nur das Papier, das unter der Last des Wassers aufgab.

Seit ich auf schwereres Papier umgestiegen bin (ich achte jetzt immer auf die Angabe 300g/m²), macht das Malen doppelt so viel Freude. Es bleibt flach liegen und lässt mir die Zeit, die ich brauche, um die Farben in Ruhe ineinanderlaufen zu lassen. Es ist eine lohnende Investition in die eigene Gelassenheit. Wenn du gerade erst anfängst und dich über Wellen im Bild wunderst, schau dir mal an, welches Aquarellpapier für Anfänger ist für den Start wirklich geeignet ist. Es erspart dir viele frustrierte Seufzer am Küchentisch.

Der Mut zum Misslingen: Mein letzter Sonntag

Letzten Sonntag wollte ich eine Trauerweide malen, die ich am Mainufer gesehen hatte. Ich war so voller Elan, dass ich viel zu viel Wasser auf das Papier brachte. Am Ende sah mein Baum eher aus wie ein explodierter Spinatfleck. Früher hätte mich das geärgert. Ich hätte das Blatt zerknüllt und wäre unzufrieden in den Tag gestartet. Aber mit 58 lerne ich gerade eine neue Art von Geduld – vor allem mit mir selbst.

Ich habe das Bild liegen gelassen, bin eine Runde spazieren gegangen und habe mir später beim zweiten Kaffee die getrockneten Ränder angesehen. In den seltsamen Verläufen entdeckte ich plötzlich Strukturen, die ich so gar nicht geplant hatte, die aber eigentlich sehr interessant aussahmen. Das ist das Schöne am Aquarell: Es gibt keine Fehler, nur ungeplante Ergebnisse. Diese Einstellung hilft mir übrigens nicht nur beim Malen von Bäumen, sondern auch, wenn ich mal wieder an meine Grenzen stoße, zum Beispiel wenn ich versuche, charakteristische Gesichter zu malen – ein Weg, der noch viel steiniger ist als der zu einer ordentlichen Tanne.

Wenn du also heute vor deinem Kasten sitzt und der Baum nicht so will wie du: Atme tief durch. Trink einen Schluck Kaffee. Schau aus dem Fenster. Die Bäume da draußen sind auch nicht perfekt symmetrisch. Sie haben Narben, abgebrochene Äste und krumme Stämme. Und genau deshalb sind sie so schön. Nimm deinen Pinsel, tauch ihn in das Wasser und fang einfach an. Der Sonntag gehört dir.

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