Aquarell Sonntag

Warum Zeichnen lernen für Erwachsene Anfänger schwerer ist als Malen (und warum ich den Pinsel vorziehe)

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Ein Bleistift verzeiht keinen schiefen Strich, ein nasser Pinsel verzeiht fast jeden. Genau an diesem Unterschied bin ich hängengeblieben, seit ich mit dem Zeichnen lernen begonnen habe und dabei gemerkt habe, wie viel leichter mir das Malen von der Hand geht. Für ein Ruhestand-Hobby, das mir sonntags gut tun soll, war das eine kleine, aber wichtige Entdeckung, und der Grund, warum bei mir am Küchentisch inzwischen öfter der Pinsel als der Stift liegt. Aquarell für Anfänger fühlt sich für mich nach Feierabend an; der Bleistift fühlt sich nach Prüfung an.

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Warum fällt Zeichnen lernen im Ruhestand schwerer als Malen?

Der Bleistift ist gnadenlos. Hart, genau, und er zeigt jeden Millimeter, der danebengeht. Den Zeichnen Lernen Kurs von DrawTut habe ich kurz nach der Pensionierung angefangen, einen soliden, seit über sechs Jahren bewährten Einstieg in Strich und Schraffur. Nach der dritten Lektion habe ich ihn trotzdem beiseitegelegt. Der Stift wollte sich in meiner Hand einfach nicht richtig anfühlen, so wie ein Schuh, der drückt, obwohl die Größe stimmt.

Wir Erwachsenen tragen so eine eingebaute Sehnsucht nach Kontrolle mit uns herum. Was wir sehen, soll eins zu eins aufs Blatt: die Tasse schön rund, die Fensterkante schön gerade. Zeichnen aber presst die runde, dreidimensionale Welt in flache Linien, und das ist Kopfarbeit, die sich bei mir eher nach Aufgabe als nach Sonntag anfühlt. Vor dem ersten Farbkasten hatte ich es sogar mit einem Töpferkurs versucht und schnell wieder gelassen, weil meine Hände zu unruhig für den Ton waren, die Schale kippte auf der Scheibe immer wieder in sich zusammen. Und den Menschen Zeichnen Masterkurs von DrawTut, den ich anfing, weil ich meine Enkel zeichnen wollte, habe ich schon in der ersten der zwölf Wochen wieder verlassen, mir viel zu schnell getaktet.

Bleistift und Aquarellpinsel nebeneinander auf dem Holztisch — Zeichnen lernen im Vergleich zum Aquarell für Anfänger

Der nasse Pinsel verzeiht, wo der Stift bestraft

Seit dem vierten Sonntag mit dem Aquarell Online Kurs von Timothy90 male ich fast nur noch, und der Vormittag fühlt sich anders an. Beim Malen ziehe ich keine harte Grenze, ich setze eine Fläche. Für einen Baum, einen von den alten am Sanderglacis, müsste ich mit dem Graphit-Stift jeden Ast und jede Schattenkante festnageln; mit dem Pinsel tupfe ich einen nassen Fleck Maigrün hin und lasse ein bisschen Indigo hineinlaufen. Das Wasser übernimmt den Rest.

Nass in Nass verschwimmen die Ränder von ganz allein, und auf einmal geht es nicht mehr um die perfekte Linie, sondern um Licht und Schatten. Für uns Anfängerinnen ist das eine echte Erleichterung. Viel hängt am Blatt darunter, auf dem falschen wellt sich alles, auf dem richtigen darf die Farbe wandern; wenn du gerade erst anfängst, lohnt ein Blick in meinen Beitrag darüber, welches Aquarellpapier für Anfänger wirklich taugt.

Blaue und grüne Aquarellfarbe verläuft auf nassem Aquarellpapier — Aquarell für Anfänger nass in nass

Woche 4 mit Timothy90 und ein Vormittag ohne Uhr

Woche 4 mit dem Kurs von Timothy90, ein ganz gewöhnlicher Vormittag, das Ostfenster einen Spalt offen wie immer sonntags. Der Kaffee links neben dem Block war längst kalt geworden, das fertige Blatt lag schon trocken auf der schmalen Ablage gegenüber, und erst beim Aufstehen fiel mir auf, dass ich an diesem Morgen kein einziges Mal zur Uhr geschaut hatte. Das Aquarellpapier saugt eben nicht nur die Farbe auf, sondern auch ein gutes Stück Unruhe.

Nicht dass an diesem Sonntag alles gelungen wäre. Ich hatte zuerst wieder eine Vorzeichnung mit dem Stift gewagt, und die Ellipse der Kaffeetasse geriet so schief, dass ich sie gleich wieder wegradiert habe. Mit dem Pinsel stand die Tasse danach zwar auch nicht perfekt, aber wenigstens ohne dieses Ziehen im Daumen. Heidlinde Fuchs, eine Leserin, die hier regelmäßig in den Kommentaren schreibt und im Üben noch ein Stück hinter mir steht, hatte mich in der Woche genau danach gefragt: ob das mit dem Zeichnen bei ihr wohl auch noch komme. Ich habe ihr geantwortet, dass sie den Stift ruhig liegen lassen darf, wenn er sie nur ärgert.

Wenn ich mit dem Zug zu meiner Tochter nach Heidelberg fahre, kommt der kleine Skizzenblock zwar mit, aber der Bleistift bleibt meist in der Tasche. Für die Fahrten habe ich mir einen kleinen Skizzen-Videokurs gegönnt, kurze Impulse, die genau zwischen einen Espresso im Bordbistro und den Blick aus dem Fenster passen. Ich nehme dort lieber einen Wassertankpinsel; es fühlt sich lebendiger an, als würde ich mit dem Moment mitgehen, statt ihn festnageln zu wollen. Wer sehen will, wie das am Küchentisch angefangen hat, darf gern in meinem Bericht über die Aquarell Nass-in-Nass Technik stöbern.

Reise-Aquarellset und Skizzenbuch auf der Zugfahrt nach Heidelberg — Skizzieren als Ruhestand Hobby

Leg den Stift zur Seite, wenn er dich nur ärgert

Falls du also sonntags am Tisch sitzt und dich fragst, warum deine Zeichnungen so hölzern geraten: Probier es eine Weile mit Wasser und Farbe statt mit Graphit. Es ist wie der Schritt von einer strengen Hausordnung hinaus in einen etwas wilden Garten, an die Freiheit muss man sich erst gewöhnen, aber dann tut sie richtig gut. Kein Blatt muss gelingen. Manchmal reicht es, wenn eines von vieren so wird, dass du es behalten magst.

Für mich sind die kurzen Sonntagslektionen aus dem Aquarell Online Kurs seit jenem vierten Sonntag der ruhigste Programmpunkt der Woche geworden, sie machen keinen Druck, und man spürt, dass da jemand erklärt, der Anfänger an die Hand nimmt, ohne sie zu bevormunden. Die eine Sache, die ich mitnehme und die auch für dich gelten darf: Such dir nicht das Werkzeug, das deine Hände bestraft, sondern das, das sie machen lässt. Bei mir ist das der Pinsel, und der Bleistift darf ruhig in der Schublade warten, bis ich ihn wirklich vermisse.

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