Aquarell Sonntag

Urban Sketching im Café für Anfänger: Tipps für das Reiseskizzenbuch

Was packst du ein, wenn du nur eine kleine Tasche und zwanzig Minuten Wartezeit hast? Genau diese Frage stelle ich mir, sobald ich in der Wartehalle vom Würzburger Hauptbahnhof sitze, den Zug nach Heidelberg im Blick und das Skizzenbuch schon auf den Knien. Urban Sketching im Café oder eben zwischen Bahnsteig und Bäckerei ist für mich im kreativen Ruhestand zu einer zweiten Sprache geworden, ganz anders als das stille Aquarellieren am Küchentisch, mit dem alles einmal angefangen hat. Für Anfängerinnen wie mich stellt sich dabei eine Frage, die kein Kurs wirklich beantwortet: zuhause in Ruhe malen oder unterwegs im Trubel — und was bringt einem welche der beiden Welten fürs Reiseskizzenbuch eigentlich?

Bevor es weitergeht, kurz das Nötigste: Dieser Text enthält Affiliate-Links zu Onlinekursen, die ich selbst gekauft und ausprobiert habe. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass für dich ein Cent draufkommt. Ich schreibe nur über Kurse, die tatsächlich bei mir auf dem Tisch oder im Rucksack gelandet sind — alles andere wäre nach fünfunddreißig Jahren im Klassenzimmer nicht meine Art.

Urban Sketching für Anfängerinnen: Küchentisch gegen Bahnhofswartehalle

Der Küchentisch am Ostfenster ist meine ruhigste Ecke: Der Lack an der Kante ist längst blind poliert, der Kaffee steht links vom Block, und sonntags bleibt das Fenster auch im Winter einen Spalt offen, damit die Farbe nicht zu schnell zieht. Am Bahnhof gibt es kein Fenster, das ich selbst aufmachen kann, nur Durchzug, Ansagen und Leute, die nie lange stillhalten. Der Küchentisch bleibt trotzdem mein Sonntagsritual, daran ändert auch die Wartehalle nichts — er ist nur nicht mehr die einzige Bühne.

Was fällt zuhause leichter, was unterwegs?

Zuhause nehme ich mir Zeit für Schichten, die erst nach einer Trockenpause die nächste Farbe vertragen — in der Wartehalle geht das schlicht nicht, der Zug wartet nicht auf trocknendes Papier. Auch Nass-in-Nass spare ich mir unterwegs meistens auf, weil ein verlaufenes Blau auf dem Bahnsteig schneller zum Malheur wird als am Küchentisch, wo ich in Ruhe zusehen kann, wohin sich die Farbe verzieht. Dafür mische ich unterwegs aus dem Bauch heraus, ohne Testblatt, und das Verhältnis von Wasser zu Farbe verschiebt sich automatisch, weil das Glas im Café schneller trüb wird als zuhause. Ein kurzes, trockenes Tack, wenn der Pinsel beim Abstreifen den Glasrand streift, gehört mittlerweile so selbstverständlich zum Ablauf wie das Anstellen am Gleis. Ein Fehlgriff beim Himmel ist am Bahnhof ohnehin schneller vergessen als daheim, wo ich das missratene Blatt noch tagelang schräg von der Ablage anschaue. Für genau diese Unterwegs-Momente habe ich mir irgendwann den Skizzen Video-Kurs [Reisebegleiter] gegönnt — keine langen Lektionen, sondern kurze Impulse, die genau zwischen einen Espresso und einen Blick aus dem Zugfenster passen, ganz ohne den Anspruch, alles durchzuarbeiten.

Für die Grundlagen, auf denen das alles fußt, greife ich immer noch auf meinen ersten Kurs zurück: den Aquarell Online Kurs [Mein Sonntagskurs]. Meine 58-jährigen Hände empfanden den Pinsel von Anfang an verzeihender als den Bleistift, und die Lektionen passen locker in einen Sonntagvormittag ohne Zeitdruck. Ob Zeichnen oder Malen der bessere Einstieg ist, wäre ohnehin ein eigenes Thema für sich — bei mir persönlich hat der Pinsel gewonnen, mehr sage ich dazu nicht.

Reise-Aquarellkasten und Skizzenbuch für Urban Sketching Anfänger auf einem Cafétisch

Die Wartehalle zwingt mich zu Entscheidungen, die der Küchentisch nicht kennt

Lange bevor der Pinsel kam, hatte ich einen Kreuzstich-Kurs an der Volkshochschule versucht. Nach zwei Abenden habe ich aufgehört — die Muster waren mir zu winzig, meine Augen und meine Geduld zu alt dafür. Aquarell ist da anders, es verzeiht große Gesten. Wenn ich heute ein neues Farbkästchen aufklappe, merke ich, wie ruhig meine Hände dabei geworden sind, kein Zittern mehr beim ersten Griff zum Pinsel, nur der leise Klick des Deckels.

Licht und Schatten beobachte ich in der Wartehalle völlig anders als am Küchentisch, wo die Regie allein beim Ostfenster liegt — hier wandert das Licht durch hohe Fenster, und wechselnde Durchsagen lenken ständig ab. Manche Pigmente wirken in der Kühle der Halle störrischer als in der warmen Küche, sie lassen sich einfach nicht so leicht überreden wie an einem ruhigen Sonntagvormittag. Perspektivisch ist so eine Wartehalle für mich ohnehin eine Zumutung — die Säulen und Gleise laufen alle auf einen Punkt zu, den ich nie richtig treffe. Wer genau daran auch verzweifelt, findet hier mehr Hilfe, als ich in einem Absatz geben kann: Fluchtpunktperspektive einfach erklärt für den ersten Start mit dem Skizzenbuch.

Eine Leserin, die regelmäßig in den Kommentaren schreibt, heißt Heidlinde Fuchs, und sie fragt mich fast nie nach Technik, fast immer nach Material. Genau ihretwegen sortiere ich hier einmal, was wirklich mitkommt.

Die Ausrüstung für beide Sonntage im Reiseskizzenbuch

Man braucht keinen Rollkoffer, das habe ich früher geglaubt und mich getäuscht. Für unterwegs reicht eine kleine Tasche mit einem robusten Skizzenblock, dessen Papier zumindest ein bisschen was aushält, wenn eine Träne Wasser danebengeht — zuhause liegt ohnehin das schwerere Blockpapier auf dem Tisch, das ich mir für die ruhigeren Sonntage aufhebe. Einen wasserfesten Fineliner packe ich für die Konturen ein, oder ich lasse ihn ganz weg und arbeite nur mit Farbe, je nachdem, wie viel Zeit die Bahnsteiguhr mir lässt. Ein Wassertankpinsel erspart mir das wacklige Glas auf dem Cafétisch, und ein Papiertaschentuch zum Abtupfen darf sowieso nie fehlen. Maskierflüssigkeit dagegen packe ich für die Wartehalle erst gar nicht ein — die hebe ich mir für die ruhigeren Sonntage auf, wenn ich in Ruhe helle Flächen aussparen will, statt in zwei Minuten zwischen zwei Durchsagen zu hantieren. Für die Reisetage habe ich mir vor einer Weile einen Reise-Aquarellkasten selbst zusammengestellt, kleiner als die Kiste zuhause, aber mit den Farben, auf die ich mich am meisten verlasse.

Unperfekte Aquarellskizze mit handschriftlichen Notizen im Reiseskizzenbuch einer Aquarell-Anfängerin

Die Wartehalle ist voller Gesichter, und kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, den Menschen Zeichnen Masterkurs zu machen, um die wartenden Reisenden besser zu treffen. Die klare Zwölf-Wochen-Struktur klang zunächst verlockend, aber das Tempo war mir zu hoch — nach der dritten Lektion bin ich ausgestiegen, weil ich im Ruhestand keine Pflichtübungen mehr will. Als ich das meiner ehemaligen Kollegin Gerhild Messing am Telefon erzählte, kommentierte sie das sehr sachlich: Man müsse eben wissen, was man wolle. Typisch Gerhild, keine Schwärmerei, nur eine klare Ansage.

Wann du den Küchentisch wählst und wann die Wartehalle

Am Küchentisch entscheide ich mich, wenn ich Zeit für Schichten und Nass-in-Nass brauche, wenn das Ostfenster einen Spalt offensteht und niemand mich zur Eile drängt. Für die Wartehalle entscheide ich mich, wenn ich ohnehin dort sitze und üben will, in zehn Minuten eine Entscheidung zu treffen, statt zwei Stunden lang zu zögern. Keine der beiden Ecken ist die bessere, sie trainieren einfach unterschiedliche Muskeln, und ein Reiseskizzenbuch lebt am Ende von beiden. Ein Skizzenbuch ist immer noch eine wunderbare Art, die Reise als Anfänger zu bereichern, gerade weil es beide Welten miteinander verbindet.

Vielleicht sitzen wir uns ja mal in einer Wartehalle oder einem Café gegenüber — ich bin die mit dem kleinen Farbkasten und dem Blau, das nie ganz das wird, was ich wollte. Falls du selbst mit dem Gedanken spielst, unterwegs zu skizzieren, wirf ruhig einen Blick auf den Reisebegleiter-Videokurs. Er drängt zu nichts, und genau das passt zu Sonntagen, die sich niemand mehr vorschreiben lässt.

Verwandte Artikel