Aquarell Sonntag

Die Negativtechnik im Aquarell für Anfänger einfach erklärt am Sonntagmorgen

Es ist dieser ganz besondere Moment am frühen Sonntagmorgen, wenn die Welt in Würzburg noch den Atem anhält. Mein Fenster ist weit offen, die kühle Morgenluft mischt sich mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee, und vor mir liegt dieses unberührte, weiße Blatt Papier. Seit ich im Juli 2024 die Kreide gegen den Pinsel getauscht habe, ist dieser Augenblick mein liebstes Ritual geworden. Aber heute war es anders. Ich saß da und starrte nicht auf das, was ich malen wollte, sondern auf das, was drumherum liegt. Das ist der Kern dessen, was wir Anfänger als die Negativtechnik bezeichnen – eine Technik, die mich anfangs fast um den Verstand gebracht hat, weil sie so gar nicht dem entspricht, wie wir als Kinder das Malen gelernt haben.

Früher, in meinen 35 Jahren im Schuldienst, war alles auf das Objekt gerichtet. Wir haben den Baum gemalt, das Haus, die Blume. Bei der Negativtechnik malst du nicht die Blume. Du malst den Schatten hinter der Blume, den Raum zwischen den Blättern, das 'Nichts', damit das 'Etwas' plötzlich wie durch Zauberei auf dem Papier erscheint. Es ist ein bisschen wie im Deutschunterricht, wenn man zwischen den Zeilen liest – das, was nicht explizit dasteht, gibt der Geschichte erst ihre Tiefe. An diesem Julimorgen fühlte ich mich bereit, mich dieser Herausforderung noch einmal zu stellen, nachdem ich im letzten Winter kläglich gescheitert war.

Das Umdenken: Wenn das Aussparen wichtiger wird als der Pinselstrich

Ich erinnere mich noch gut an einen nebligen Novembermorgen im vergangenen Jahr. Ich hatte gerade erst angefangen und dachte, ich müsste einfach nur vorsichtig um meine Formen herummalen. Aber mein Gehirn wollte das nicht. Es schrie förmlich: 'Mal die Blüte!' Aber die Negativtechnik verlangt Disziplin. Man muss lernen, das Motiv als eine helle Insel in einem dunklen Meer zu begreifen. Für uns Anfänger ist das oft frustrierend, weil wir das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, wenn wir nicht direkt auf das Ziel zusteuern.

Eines habe ich in den letzten Monaten gelernt: Das richtige Material ist die halbe Miete, besonders wenn man mit viel Wasser arbeitet. Ich benutze mittlerweile immer Papier mit einem Flächengewicht von 300 g/m². Das ist der Industriestandard für stabiles Aquarell-Papier, und es wellt sich nicht sofort, wenn man die Hintergründe nass in nass anlegt. Wenn man an der Qualität spart, rächt sich das bei dieser Technik sofort, weil die Farben nicht so fließen können, wie sie sollten. In meinem kleinen Kasten mit den 12 Näpfen – der klassischen Bestückung für Einsteiger – finde ich meistens alles, was ich brauche, auch wenn ich am Anfang dachte, ich bräuchte hundert Farben.

Nahaufnahme der Negativtechnik: Farbe wird um ein Blütenblatt herum aufgetragen.

Ein wichtiger Wendepunkt für mich war die Erkenntnis, dass man nicht vor dem weißen Papier erstarren muss. Viele Anleitungen sagen, man soll von hell nach dunkel malen und das Weiß des Papiers für die hellsten Stellen nutzen. Aber wisst ihr was? Ich finde das für uns Anfänger furchtbar einschüchternd. Mein kleiner Geheimtipp, den ich nach etwa drei Monaten des Herumprobierens für mich entdeckt habe: Höre auf, von reinem Weiß auszugehen. Die Negativtechnik gelingt oft viel besser, wenn du mit einer ganz zarten, mittleren Tonwert-Basis startest. Ich lege oft eine hauchdünne Lasur in einem warmen Gelb oder einem blassen Rosa über das ganze Blatt, bevor ich überhaupt an die negativen Formen denke. Das nimmt dem Ganzen die Härte und sorgt dafür, dass das Bild am Ende harmonischer wirkt.

Die Hortensien-Lektion: Von Schichten und Geduld

Während der ersten warmen Tage im April saß ich auf meinem Balkon und beobachtete meine Hortensien. Sie sind perfekte Modelle für die Negativtechnik. Jede Blüte besteht aus so vielen kleinen, überlappenden Blättchen. Wenn man versucht, jedes einzeln zu malen, wird es oft steif und leblos. Also habe ich versucht, das anzuwenden, was ich in Woche 12 meines Kurses gelernt habe: Schichten. Ich malte erst die hellsten Bereiche der gesamten Dolde als einen großen, wässrigen Fleck. Erst als das komplett trocken war, fing ich an, mit einer etwas dunkleren Farbe die Zwischenräume zwischen den vorderen Blütenblättern zu füllen.

Das leise Klirren des Pinsels am Rand des alten Marmeladenglases, das mir jetzt als Wasserglas dient, war das einzige Geräusch im ansonsten völlig stillen Haus. Es ist ein meditativer Prozess. Man setzt die Farbe an die Kante einer Form und zieht sie dann nach außen weg in den Hintergrund. So entstehen scharfe Kanten nach innen und weiche Verläufe nach außen. Das gibt dem Bild diese wunderbare Tiefe, die ich früher immer so bewundert habe. In dieser Phase ist es so wichtig, dass man nicht hudelt. Als Lehrerin habe ich meinen Schülern immer gesagt: 'Geduld ist eine Tugend.' Jetzt muss ich mir das selbst jeden Sonntag vorbeten.

Falls du dich auch manchmal fragst, ob du das jemals lernst, kann ich dir nur sagen: Es wird besser. Ich habe zum Beispiel viel daraus gezogen, wie ich in meinen Meine Timothy90s Aquarell Online Kurs Erfahrungen als Anfängerin Ü50 beschrieben habe – dort lernt man Schritt für Schritt, wie man diese Schichten aufbaut, ohne dass alles in einem grauen Matsch endet. Die Negativtechnik ist im Grunde nichts anderes als das bewusste Steuern von Licht und Schatten.

Der Moment, in dem das Preußischblau übernahm

Aber natürlich läuft sonntags nicht immer alles glatt. Letzten Sonntag beim zweiten Kaffee passierte es: Ich wollte den Hintergrund hinter einer besonders hellen Blüte richtig dunkel und dramatisch gestalten. Ich griff zu Preußischblau, einer Farbe, die ich eigentlich liebe, die aber eine unglaubliche Kraft hat. Mein Papier war an einer Stelle noch einen Hauch zu feucht. Und wie das im Aquarell so ist – das Wasser ist der Chef.

Ich sah hilflos zu, wie das dunkle Blau in die mühsam ausgesparte, helle Blütenform sickerte. Es war wie ein kleiner Tintenfisch, der seine Tinte in klares Wasser spuckt. Mein erster Impuls war Panik. Ich griff zum Küchentuch und tupfte ungeduldig auf dem Blatt herum, was alles nur noch schlimmer machte und einen hässlichen, struppigen Fleck hinterließ. In solchen Momenten merke ich, dass ich noch viel über Aquarell Fehler korrigieren für Anfänger: So lassen sich Bilder noch retten lernen muss. Manchmal ist es besser, das Missgeschick einfach trocknen zu lassen und später zu schauen, ob man es in einen Schatten umwandeln kann.

Ein Wasserglas und ein benutztes Küchentuch neben einem Aquarell mit Farbfehlern.

Früher hätte ich das Blatt wahrscheinlich zerknüllt und weggeworfen. Heute atme ich tief durch, nehme einen Schluck Kaffee und schaue mir den 'Unfall' genau an. Oft entstehen durch solche Fehler die interessantesten Strukturen. Das Blau war zwar an der falschen Stelle, aber der Verlauf war eigentlich wunderschön. Ich habe gelernt, dass die Negativtechnik auch bedeutet, die Kontrolle ein Stück weit abzugeben. Man bereitet das Bett für die Farbe vor, aber wo sie am Ende genau hinfließt, entscheidet sie manchmal selbst.

Ein bisschen Licht und Schatten für die Seele

Warum erzähle ich euch das alles? Weil ich glaube, dass viele von uns im Ruhestand nach etwas suchen, das uns herausfordert, ohne uns zu überfordern. Die Negativtechnik ist eine wunderbare Metapher für diesen Lebensabschnitt. Wir müssen nicht mehr alles im Detail kontrollieren. Wir können uns darauf konzentrieren, den Raum um uns herum zu gestalten, damit das Wesentliche zur Geltung kommt. Wenn man versteht, wie man Licht und Schatten in Aquarellbildern richtig setzen als Einsteiger kann, verändert das den Blick auf die ganze Welt. Wenn ich jetzt durch den Hofgarten in Würzburg spazieren gehe, sehe ich nicht mehr nur Bäume. Ich sehe die hellen Lücken zwischen den Zweigen und die dunklen Schatten auf dem Kiesweg.

Mein Aquarell-Tagebuch ist für mich ein Spiegel meiner eigenen Geduld geworden. Es muss kein Meisterwerk sein, das in einer Galerie in der Residenz hängt. Es reicht völlig aus, wenn diese zwei Stunden zwischen sieben und neun mir gehören. Wenn der Enkel kommt und fragt: 'Oma, warum malst du denn neben die Blume?', dann erkläre ich ihm ganz ruhig, dass ich den Platz für die Blume erst erschaffen muss. Er nickt dann meistens sehr weise, als hätte er ein tiefes Geheimnis verstanden.

Vielleicht probierst du es nächsten Sonntag auch mal aus? Nimm dir ein einfaches Motiv – ein Blatt, eine Tasse oder eine einfache Frucht. Und dann versuche mal, nicht das Objekt zu malen, sondern alles andere. Sei nicht zu streng mit dir, wenn das Gelb mal missglückt oder das Blau dorthin wandert, wo es nicht hin soll. Wir sind hier, um zu lernen, nicht um perfekt zu sein. Und wer weiß, vielleicht entdeckst du in diesem 'Nichts' ja auch ein ganz neues 'Etwas' für dich.

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Diese Woche war jedenfalls eine Lehre in Demut. Das Bild mit der verunglückten Hortensie hängt jetzt an meinem Kühlschrank. Es erinnert mich daran, dass auch ein misslungener Sonntagvormittag ein guter Vormittag ist, solange man den Pinsel in der Hand hatte. In diesem Sinne: Habt eine wunderbare Woche und vergesst nicht, ab und zu mal die Fenster weit aufzumachen.

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