Aquarell Sonntag

Aquarell Grußkarten selber machen: Einfache Ideen für Anfänger am Sonntag

Eine fertige Klappkarte aus Aquarellkarton nimmt dir die halbe Arbeit ab. Ein ganzes Blatt Aquarellpapier, das du hinterher selbst zurechtschneidest, gibt dir dafür die ganze Fläche zum Üben. Zwischen diesen beiden Wegen wackle ich seit einigen Sonntagen hin und her, wenn ich Grußkarten gestalte. Für Anfängerinnen im Aquarell, die sich am Sonntag eine Stunde Entspannung gönnen und dabei kreativ im Ruhestand bleiben wollen, macht dieser Unterschied mehr aus, als man beim ersten Hinsehen denkt; er entscheidet am Ende sogar, wie mein Wochenaquarell überhaupt aussieht.

Meine kurze Antwort nach etlichen Karten mit beiden Methoden: Der Rohling gewinnt, wenn die Zeit knapp ist und die Falzkante am Ende sauber sitzen muss. Das ganze Blatt gewinnt, wenn ich Fehler machen will, ohne dass gleich die ganze Karte hinüber ist. In den Kommentaren fragte Heidlinde neulich genau danach, kurz und ohne lange Einleitung, wie so oft bei ihr: Rohling oder ganzes Blatt?

Grußkarten gestalten: zwei Wege für Anfänger

Bevor Aquarell überhaupt eine Option war, hatte ich einen Töpferkurs gebucht. Meine Hände waren dort zu unruhig für den Ton, jede kleine Bewegung hat die Form verzogen. Beim Aquarell macht das nichts: Ein zittriger Strich wird einfach Teil der Blüte oder des Grashalms auf der Karte.

Gerhild, eine ehemalige Kollegin, hat mir kurz vor meiner Pensionierung überhaupt erst vom Aquarell erzählt, so beiläufig, wie sie das immer macht, ganz ohne großes Aufheben. Neulich schrieb sie, dass sie ihre Kartenrohlinge inzwischen selbst aus Tonkarton faltet, weil ihr die gekauften zu dünn sind.

Warum gewinnt der Kartenrohling nicht immer?

Am Sonntag hat sich genau das bestätigt. Ein gekaufter Rohling hat sich unter zu nassem Pinsel leicht gewellt, und beim Zuklappen ist die Kante am Falz sogar ein Stück aufgerissen.

Für nasse Techniken, manche nennen das nass-in-nass, sind die dünnen Rohlinge meistens die falsche Wahl. Aber das ist ein eigenes Thema für ein andermal. Bei mir bleiben sie inzwischen den kleinen, trockeneren Motiven vorbehalten: ein paar Tupfen Farbe, ein Zweig, ein Umriss mit dem Fineliner nachgezogen.

Für eine schnelle Karte zwischendurch reicht das trotzdem oft: fertig ist ein Gruß für eine ehemalige Kollegin oder eine alte Schulfreundin, ohne dass man den ganzen Vormittag dafür braucht.

Ein ganzes Blatt gibt mehr Raum zum Üben

Wenn ein Versuch danebengeht, schneide ich einfach den gelungenen Teil heraus und klebe ihn auf eine leere Klappkarte. Der Rest des Blattes darf ruhig missraten aussehen – das gehört für mich inzwischen zum Fortschritt dazu, nicht zum Scheitern. Genau wie beim Malen am Küchentisch geht es dabei nicht um ein perfektes Ergebnis, sondern ums Ausprobieren.

Welches Papiergewicht sich am besten eignet, ist eine Frage für sich, aber bei viel Wasser fährt man mit einem festeren Blatt meistens sicherer. Wer auf der Karte ein weißes Detail freihalten möchte, einen Stern oder eine kleine Wolke zum Beispiel, greift gern zur Maskierflüssigkeit – aber auch das ist eine eigene Geschichte für ein andermal.

Motive aus dem Botanischen Garten

Neulich bin ich extra in den Botanischen Garten der Universität Würzburg gegangen, nur um ein einzelnes Ginkgoblatt zu fotografieren. Zurück am Küchentisch wurde daraus eine kleine Karte, mehr Umriss als Abbild, mit ein paar Pinselstrichen in Gelb und Grün.

Als das Bild getrocknet war und meine Nachbarin kurz im Hausflur vorbeikam, blieb sie stehen und nannte sofort den Baum, ohne dass ich ein Wort dazu gesagt hätte. Solche Momente sind es, die mich mehr freuen als jede gelungene Technik.

Sonntags einfach ausprobieren

Fehler behalte ich inzwischen genauso gern wie in einem Skizzenbuch – ein Skizzenbuch für Anfänger auf Reisen eine Bereicherung ist, weil man dort Missgeschicke viel entspannter sammelt als auf einer Einzelkarte.

Unterm Strich wähle ich den Rohling, wenn ich abends müde bin und nur schnell ein paar Blüten auftupfen will. Zum ganzen Blatt greife ich, wenn der Sonntagvormittag Zeit lässt und ich wirklich üben will, ohne dass gleich eine fertige Karte auf dem Spiel steht.

Vielleicht liegen bei dir auch noch ein paar alte Kartenrohlinge im Schrank, oder ein Rest Aquarellpapier, den du bisher nicht anzurühren getraut hast. Beides taugt für einen Anfang.

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