Aquarell Sonntag

Alltagsgegenstände zeichnen lernen: Wie ich die Tasse am Küchentisch skizziere

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Sechs Anläufe hat meine Bleistift-Ellipse gebraucht, bis sie nicht mehr wie ein schiefes Ei aussah, sondern wie der Rand einer echten Tasse. Zeichnen lernen als Aquarell-Anfängerin bedeutet für mich genau solche kleinen Gefechte, und ausgerechnet Alltagsmotive wie meine Kaffeetasse sind im Ruhestand zur ehrlichsten Übung geworden.

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Warum ausgerechnet eine Kaffeetasse?

Nach 35 Jahren mit Rotstift und Klassenbuch war die Stille zu Hause im ersten Monat kaum auszuhalten. Eine Lesegruppe hatte ich eine Weile ausprobiert, aber die Abende dort fühlten sich für mich zu passiv an, ich saß nur da und hörte zu. Meine blaue Tasse dagegen verlangt etwas von mir, sie steht einfach unschuldig auf dem Tisch und wird trotzdem zur Aufgabe.

Zeichnen und Malen fühlen sich für meine Hände nach zwei völlig unterschiedlichen Handwerken an, das eine hart und ehrlich, das andere weich und nachsichtig. Mit dem Kurs Zeichnen Lernen habe ich angefangen, weil ich dachte, Bleistift sei der solide Einstieg für jede Anfängerin. Nach Lektion 3 habe ich pausiert, der Stift fühlte sich in meiner Hand einfach falsch an, zu hart, zu genau, ohne das Fließen, das ich beim Aquarell später lieben würde.

Nahaufnahme einer gebrauchten blauen Keramiktasse als Alltagsmotiv zum Zeichnen lernen auf einem Holztisch

Vom harten Bleistift zum weichen Pinsel

Mit dem Aquarell Online Kurs von Timothy90 kam der Wechsel dann wirklich, inzwischen habe ich ihn komplett durchgearbeitet. Was mir daran gefällt, ist die Ruhe im Aufbau. Die Refundrate liegt bei unter 0,6 Prozent, und das werte ich als ehemalige Lehrerin als echtes Qualitätszeichen.

Eine Ellipse ist im Lehrbuch ein sauberes Konstrukt, am Tassenrand aber ist sie das, was mein Auge sieht, und das zu verstehen hat länger gedauert, als mir lieb war. Zeichnen hat mich gelehrt, genauer hinzuschauen, als ich es 35 Jahre lang im Klassenzimmer je musste, und wie sich diese Ellipse mit dem Blickwinkel verändert, ist ein eigenes kleines Studium für sich.

Welches Papier für so eine Skizze überhaupt taugt, ist eine Lektion, die mir erst eine misslungene erste Tasse beigebracht hat, dünnes Blatt wellt sich nämlich wie eine alte Landkarte. Von Fehlern dieser Art erzähle ich öfter in meinem Aquarell Tagebuch für Anfänger, denn am Papier zu sparen ist wohl der Klassiker unter Anfängerfehlern.

Die Macken am Rand erzählen die Geschichte

Meine Tasse hat kleine Macken am Rand, dort, wo sie mal gegen die Spüle gestoßen ist, und genau diese Stellen sind für mich inzwischen ihre Identität, nicht der glatte Neuzustand. Die kleine helle Stelle, an der das Licht auf der Wölbung bricht, lasse ich beim Zeichnen einfach frei, Weiß spare ich aus, statt es mit Farbe zu füllen.

Ein missratener Strich ist für mich mittlerweile eher ein Wegweiser als ein Grund zum Aufhören, das habe ich über die Wochen gelernt. Auch ein paar Ecken um die Tasse herum bleiben inzwischen bewusst leer statt gefüllt, eine Technik, die ein eigenes Kapitel verdient, und wo die Tasse überhaupt auf dem Blatt sitzt, mittig, links oder mit angeschnittenem Rand, entscheidet oft mehr über das Bild als jede Farbe.

Eine Hand beginnt beim Zeichnen lernen die Kontur einer Kaffeetasse in ein Skizzenbuch

Alltagsmotive skizzieren in der Wartehalle

Alltagsgegenstände zeichnen lernen hört für mich am Küchentisch nicht auf. Als ich neulich auf den Zug nach Heidelberg zu meiner Tochter wartete, saß ich in der Wartehalle des Würzburger Hauptbahnhofs und skizzierte die Kaffeebecher der anderen Reisenden, ihre Henkel, ihre Deckel, die Art, wie jemand seinen Becher hielt.

Für diese Fahrten habe ich mir extra den Skizzen Video-Kurs gegönnt, spätestens beim zweiten Mal im ICE hat er sich richtig gelohnt. Warum das Skizzieren auf Reisen meine Wahrnehmung verändert hat, habe ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben, hier reicht der Hinweis, dass eine Wartehalle mehr Alltagsgegenstände zu bieten hat, als man beim Warten normalerweise bemerkt.

Wie der Schatten plötzlich lebendig wird

Den Schatten der Tasse einfach grau oder schwarz hinzumalen, wirkt schnell tot und flach. Wie man einen Schatten mit der richtigen Farbmischung lebendig statt grau wirken lässt, ist eine der Zeichenübungen für Anfänger, die meine Bilder wirklich verändert haben. Dass manche Farben aus meinem Kästchen kräftiger decken und andere eher glasig bleiben, ist mir erst nach und nach aufgefallen, auch das ein Thema für sich.

Nass in nass wollte ich das Blau der Tasse anfangs gar nicht kontrollieren, einfach fließen lassen und schauen, was passiert. Wie viel Wasser der Pinsel dabei tragen darf, ist bis heute Übungssache, genau wie die Frage, mit welchem Pinsel sich so ein feiner Rand überhaupt sauber zeichnen lässt. Mehrere Lagen Farbe übereinander geben der Tasse später noch mehr Tiefe, das hebe ich mir aber für einen anderen Sonntag auf. Ein fast trockener Pinsel über das raue Papier gezogen gibt dem Rand dafür genau die kleinen rauen Lichter, die ihn echt aussehen lassen.

Was zehn Wochen mit der Tasse mir beigebracht haben

Der Sonntagvormittag bleibt für mich die feste Verabredung mit mir selbst, ein eigenes kleines Ritual, das ich mir in den ersten Ruhestandsmonaten selbst gebaut habe. Als ich vor ein paar Tagen ein neues Farbkästchen aufgeklappt habe, ist mir aufgefallen, dass meine Finger dabei still geblieben sind, ohne das Zittern, das ich noch vor Wochen hatte, und nach zehn Wochen mit dieser einen Tasse war genau das für mich der Unterschied, den ich spüren konnte.

Ob ich als Nächstes richtig Porträts angehe, weiß ich noch nicht. Den Menschen Zeichnen Masterkurs habe ich mir angesehen und nach Lektion 3 wieder pausiert, die 12-Wochen-Struktur war mir gerade zu rasant, und eine Tasse darf eben auch mal länger dauern als ein Gesicht. Elfrun, mit der ich mich ab und zu austausche, malt spürbar lockerer und schneller als ich, aber ich habe für mich gelernt, dass die eigene Langsamkeit kein Mangel ist, sondern einfach mein Tempo.

Fertige Aquarellskizze einer Tasse als Alltagsmotiv im Tagebuch einer Aquarell-Anfängerin, daneben eine Lesebrille

Wenn du selbst überlegst, mit Zeichnen oder Aquarell anzufangen, würde ich dir raten, klein anzufangen, bei einem Gegenstand, den du jeden Tag vor Augen hast. Für den sanften Einstieg kann ich weiterhin meinen Sonntagskurs empfehlen, den Aquarell Online Kurs, er ist geduldig genug für einen Anfang mit 58 oder auch mit 68. Vielleicht wird deine eigene Kaffeetasse ja dein nächster kleiner Sieg, mit ein bisschen zitterndem Strich und trotzdem viel Freude dabei.

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