Aquarell Sonntag

Referenz: Aquarellfarben-Übersicht (Pigmente, Transparenz, Lichtechtheit)

Viertel nach sieben, der Kaffee ist noch viel zu heiß zum Trinken, und ich sitze zum bestimmt zwanzigsten Mal vor meinen drei Farbkästen, weil ich schon wieder vergessen habe, welches Blau eigentlich glatt wegläuft und welches krisselig wird, sobald das Papier trocknet. Mein Enkel Paul hat mich letzten Sonntag beim Frühstück gefragt, warum das Ultramarinblau auf meinem Kirchturm-Bild so "körnig" aussieht - und ich musste zugeben, dass ich es selbst nicht genau wusste, nur dass es "manchmal so macht". Diese Woche ist mir dann bei den Rosen im Vorgarten meiner Nachbarin genau dasselbe wieder passiert, nur dass ich es diesmal überhaupt nicht wollte und die Blüten am Ende fleckig aussahen. Danach hab ich mir endlich eine Liste angelegt: wie lichtecht meine Farben wirklich sind, ob sie lasieren oder decken, und welche dieses Granulieren machen. Ich hab jede einzelne Angabe nachgeprüft, nicht nur von der Tube abgeschrieben. Hier ist meine Tabelle - für mich zum Nachschlagen sonntags am Fenster, und für dich, falls du auch manchmal vergisst, was PB29 eigentlich bedeutet.

1. Definitionen und Standards

Drei Dinge sind es, die ich mir mühsam selbst beigebracht habe, seit ich diese Tabelle angelegt hab:

2. Referenztabelle der Pigmente

Das hier sind die zehn Pigmente, die am häufigsten in meiner Kiste liegen. Als meine Nachbarin Frau Wagner letzten Monat im Hausflur fragte, welche Farbe sie sich als Rentnerin überhaupt zulegen soll, hab ich ihr genau diese Liste ausgedruckt, mit Kaffeeflecken und allem.

CI-Name Gebräuchlicher Name Transparenz Lichtechtheit Granulierend
PB29 Ultramarinblau Transparent Exzellent [Source] Ja
PB15:3 Phthaloblau (Grünstich) Halbtransparent Exzellent [Source] Nein
PY150 Nickel-Azo-Gelb Transparent Exzellent [Source] Nein
PR101 Synthetisches Eisenoxidrot Halbtransparent bis Opak (variiert) Exzellent [Source] Ja (variiert)
PG7 Phthalogrün (Blaustich) Transparent Exzellent [Source] Nein
PV19 Chinacridon Rose Transparent Exzellent [Source] Nein
PY43 Gelber Ocker (Natürlich) Opak bis Transparent (variiert) Exzellent [Source] Ja (variiert)
PR108 Cadmiumrot Opak (Deckend) Exzellent* [Source] Nein
PBr7 Siena Gebrannt (Natürlich) Halbopak bis Halbtransparent Gut [Source] Ja
PBk7 Lampenschwarz (Ruß) Opak (Deckend) Exzellent [Source] Nein
Farbtafel mit zehn Aquarell-Pigmenten als gemalte Farbstreifen über einem schwarzen Balken, der die Transparenz zeigt: PB29 Ultramarinblau, PB15:3 Phthaloblau, PY150 Nickel-Azo-Gelb, PR101 Eisenoxidrot, PG7 Phthalogrün, PV19 Chinacridon Rose, PY43 Gelber Ocker, PR108 Cadmiumrot, PBr7 Siena gebrannt und PBk7 Lampenschwarz – je mit Transparenz, Lichtechtheit und Granulierung
Die zehn Pigmente als Farbstreifen – zum Einbetten (Credit: aquarell-sonntag.pages.dev). Farbwerte sind Annäherungen; Angaben wie in der Tabelle.

Der Trick, den mir keiner gesagt hat: Ein Pigment über einen schwarzen Strich malen zeigt sofort, ob es lasiert oder deckt. Meine transparenten Farben – Ultramarin, Phthalogrün, Chinacridon – lassen den Strich durchscheinen; Cadmiumrot und Lampenschwarz decken ihn zu. Und Siena gebrannt ist nur „gut" lichtecht, nicht „exzellent", wie ich jahrelang dachte.

Ein paar Sachen haben mich beim Nachprüfen ehrlich überrascht, und die schreib ich lieber dazu, statt sie zu verschweigen: Bei Siena Gebrannt, meiner Lieblingsfarbe für Herbstlaub, steht in der Quelle nur "gute Beständigkeit" - nicht "exzellent", wie ich jahrelang angenommen hatte. Beim Cadmiumrot (markiert mit *) gibt's eine Ausnahme, die ich vorher gar nicht kannte: Es verblasst laut Quelle in Fresko- oder Wandmalerei - für meine Aquarelle am Küchentisch zum Glück irrelevant. Und mein Ultramarinblau kann bei Säurekontakt (Essig, Zitrone) nachdunkeln, vor allem in der synthetischen Variante, die günstiger, aber etwas weniger beständig ist als die natürliche. Genau das Zeug, das bei mir sonntags eh nicht auf den Maltisch kommt - aber gut zu wissen, bevor man's mal ausprobiert.

3. Chemische Klassifizierung

Am Ende hab ich noch gelernt, dass sich Pigmente grob in zwei Familien einteilen lassen - so wie ich früher meinen Schülern beigebracht hab, Wörter in Gruppen zu sortieren, nur eben mit Farbe statt Grammatik:

Anorganische Pigmente
Das sind traditionell Metalloxide oder -sulfide aus Mineralien - Sand und Erde in schön, sozusagen (z. B. PR101, PY43). Wie stark einzelne Farben davon granulieren, steht oben in der Tabelle, das ist von Pigment zu Pigment sehr unterschiedlich (Wikipedia).
Organische Pigmente
Kohlenstoffverbindungen, meist im Labor entwickelt - die modernen Phthalo- und Chinacridon-Töne (PB15, PV19) gehören dazu. Traditionell gelten organische Pigmente als weniger witterungsbeständig, aber genau diese modernen unter ihnen sind dieser alten Regel längst entwachsen - siehe oben in der Tabelle (Wikipedia).

Last verified: 2026-07-16

Sources

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