Aquarell Sonntag

Einfache Vorzeichnungen für Aquarellbilder ohne Angst vor dem Bleistift

Ein Bleistift wiegt keine zehn Gramm, trotzdem drücken ihn viele Anfängerinnen aufs Aquarellpapier, als müssten sie ein Urteil unterschreiben. Diese Angst vor dem Bleistift ist der Grund, warum ich diesmal keine Wochengeschichte erzähle, sondern die Fragen beantworte, die mir zu meinen Vorzeichnung-Tipps am häufigsten gestellt werden von Frauen, die wie ich erst im Ruhestand mit Aquarell anfangen und in diesem kreativen Neustart nach einem Anfang suchen.

Kurz zur Offenheit, bevor es weitergeht: Manche Links hier sind Affiliate-Links zu Kursen, die ich mit meinem eigenen Ruhestandsbudget bezahlt und selbst über Monate ausprobiert habe. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich schreibe nur über das, was bei mir wirklich im Einsatz war.

Festeres Papier hält dem Bleistift stand

Zu harte Bleistifte wie 2H sind bei mir tabu, sie ritzen feine Rillen ins Papier, die auch unter der Farbe später noch sichtbar bleiben. Ein weicher Bleistift, ein ganz normaler HB, oder ein Knetgummi zum sanften Abheben reichen für jede Vorzeichnung, die ich brauche. Auf einem etwas festeren Aquarellpapier drückt der Stift ohnehin weniger durch, aber welches Papiergewicht für dich persönlich richtig ist, ist ein eigenes Thema, das an anderer Stelle ausführlicher drankommt.

Aquarell-Anfängerin hält den Bleistift locker für eine angstfreie Vorzeichnung

Muss ich erst einen Zeichenkurs machen, bevor ich zum Pinsel greife?

Diese Frage bekomme ich öfter, meistens von Frauen, die sich vor dem Aquarell erst am Bleistift warmlaufen wollen. Ich habe mir den DrawTuts Zeichnen Lernen angeschaut, weil er günstig einsteigt und Strich, Schraffur und einfache Formen trainiert. Für reines Aquarell brauchst du das nicht zwingend, dort geht es um Grauwerte und Kontrolle, nicht um das Gefühl für Wasser, und genau dieses Wassergefühl entscheidet am Ende über deine Vorzeichnung. Das nasse Ineinanderfließen der Farbe, das manche nass-in-nass nennen, ist dann übrigens nochmal eine ganz eigene Geschichte für sich. Wer unbedingt erst festen Boden unter den Füßen will, kann mit einem reinen Zeichenkurs anfangen. Wer lieber gleich nass wird, übt die Vorzeichnung direkt mit dem Aquarellstift.

Regelmäßig üben, ohne den Mut zu verlieren

Mein fester Begleiter dabei ist der Aquarell Online Kurs von Timothy90, auf den ich mich in den Antworten hier immer wieder beziehe. Die Lektionen sind kurz genug für einen ruhigen Vormittag, und Aquarell selbst ist für Hände wie meine deutlich verzeihender als reiner Bleistift. Der feste Termin am Sonntag ist bei mir sowieso eine eigene Regel, die eine andere Geschichte verdient. Vorher hatte ich es mit einem reinen Schreibtagebuch versucht, ganz ohne Bilder, nach drei Wochen habe ich es wieder sein lassen, es fühlte sich zu leer an. Ein Bild, und sei die Vorzeichnung noch so wacklig, erzählt mir mehr über meine Woche als ein Absatz Text.

Skizzieren auf der Zugfahrt nach Heidelberg

Auf der Fahrt zu meiner Tochter reicht inzwischen eine hauchdünne Vorzeichnung, kaum mehr als eine Andeutung, dazu ein paar Impulse aus meinem Skizzen Video-Kurs für unterwegs. Da geht es nicht um ein fertiges Bild, sondern darum, den Zug, die Hügel oder eine Bahnhofsuhr für einen Moment festzuhalten. Kein Radiergummi griffbereit, kein Anspruch auf Perfektion, nur der Stift und das, was gerade vorbeizieht.

Was tun, wenn die Linie sichtbar bleibt?

Radieren ist meistens der größere Fehler als die schiefe Linie selbst. Wer zu aggressiv radiert, raut die Papieroberfläche auf, und genau dort saugt die Farbe später ungleichmäßig ein, oft dunkler als der Rest des Bildes. Besser: die Linie einfach stehen lassen. Viele Bleistiftstriche verschwinden ohnehin unter der Pigmentschicht, und was übrig bleibt, gibt dem Bild oft erst seinen handgemachten Charakter. Wie man solche kleinen Missgeschicke am Ende rettet, habe ich in meinem Beitrag über Aquarell Fehler korrigieren für Anfänger ausführlicher aufgeschrieben.

Nicht jedes Motiv braucht eine Vorzeichnung

Nicht jede Form braucht vorher einen Bleistiftstrich. Bei runden, organischen Motiven wie einer Blüte oder einem Stein lasse ich den Pinsel oft direkt entscheiden, ein einziger Punkt als Anker reicht mir dann. Bei klaren, geraden Kanten sieht das anders aus: Wenn ich zum Beispiel Häuser in Heidelberg zu skizzieren versuche, zeichne ich Fenster und Dachlinien vor, sonst kippt bei mir jedes zweite Dach. Wie man Farbe danach in mehreren Schichten aufbaut, um einem Bild Tiefe zu geben, ist wieder ein eigenes Kapitel für sich, das ich an anderer Stelle behandle.

Wann der Bleistift ganz zu Hause bleiben darf

Meine Bekannte Elfrun Bierhals, die ich von einem Aquarell-Nachmittag im Gemeindehaus kenne, malt viel lockerer und schneller als ich, bei ihr sieht man kaum je eine Vorzeichnung, und trotzdem sitzen ihre Formen. Ganz so weit bin ich noch nicht, aber ich nähere mich. Neulich saß ich mit einem kleinen Block am Würzburger Marktplatz, wollte schnell die Hecke vor einem der Stände festhalten, und mischte die Grüntöne dafür, ohne lange nachzudenken, sie passten sofort. Kein Bleistiftgerüst, keine Prüfung vorher, einfach Farbe auf Papier. Wenn dir das noch fremd vorkommt und der Bleistift schwer in der Hand liegt: Der Aquarell Online Kurs war für mich genau der Ort, an dem diese Angst langsam kleiner wurde, ohne Zeitdruck, in kurzen Lektionen. Material wie Pinsel, Farbe und festeres Papier kommt natürlich dazu, aber ins Geld treibt es dich nicht gleich, und ein Profi-Atelier braucht dafür niemand.

Frag ruhig weiter, wenn dir noch eine Frage zum Bleistift oder zur Vorzeichnung fehlt, ich sammle solche Fragen gerne für die nächsten Antworten. Bis dahin: Halt den Stift locker, das Blatt verzeiht mehr, als du denkst.

Herzlichst,
Deine Renate

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